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Mein Bericht vom 
Bad Füssing Marathon am 3.2.2002 

von Thomas Schmidtkonz

Mit Startnummer 40 3:40

Fast sommerliche Temperaturen im Winter, eine flotte erste und eine gemächlichere zweite Runde. Bloß wo waren die Zuschauer?...


Hoch konzentriert in der Nähe des Ziels

Inhaltsverzeichnis

Kurz vor dem Start Die erste Hälfte Die zweite Hälfte

Kurz vor dem Start

Meine Frau Gaby und ich reisen schon am Tag zuvor an und übernachten in einem der Kurhotels.
Ich wach bereits morgens um 5:00 auf. Es sieht draußen recht neblig aus und ich drehe mich noch einmal um.
Kurz nach sieben gehe ich frühstücken, wo sich schon einige andere Läufer zum Frühstücks-Büffet gesellt haben.
Draußen ist es bei Raureif immer noch neblig und kalt.
Gegen 9 machen Gaby und ich unserem 2 km langen Spaziergang zum Johannesbad, wo der Start ist.
Langsam bricht die Sonne durch den Nebel und es verspricht ein herrlicher Tag zu werden.
Beim Bad  mieten wir eine Umzugskabine an. So können wir schön unsere Klamotten verstauen.
Ich gedenke heute mit Shorts und T-Shirt zu laufen, da Temperaturen bis zu über 15 Grad angesagt sind.
Im Augenblick sind aber die Temperaturen gerade mal bei knapp über 0 Grad. Dies ist ein guter Anlass so lange wie möglich im Gebäude des Bades zu bleiben. So verzichten wir auch aufs warmlaufen.
5 Minuten vor dem Startschuss um 10:00 verlassen wir beide das Gebäude. Ich ordne mich etwa in der Mitte des Stratblocks ein und Gaby, die den Halbmarathonlaufen will, weiter hinten ein.

Die erste Hälfte bis Kilometer 21,1 - 
Ich laufe flott durch

Am Start grüble ich etwas nach wie es wohl laufen wird, da ich bei den harten winterlichen Verhältnissen in den Wochen zuvor kaum zum Laufen kam. Als Optimist denke ich mir aber, etwas von der Fitness des letzten Herbstes wird schon übrig geblieben sein.
Das Gegrübel wird jäh durch den Startschuss unterbrochen und langsam setzt sich unser Lindwurm in Gang.
Auf dem ersten Kilometer der breiten Straße kommen wir gut in Schwung und ich werde viel weniger als sonst durch langsamere Läufer behindert.
Die 1000 m Marke passiere ich erstaunlich schnell und denke mir, dass da doch was nicht stimmt. Ich sollte recht behalten, da das die Markierung des 10 km Laufes ist, denn die eigentliche 1 km - Markierung passiere ich wie geplant in etwa 5:30.
Zuerst führt die Strecke durch Bad Füssing, wo man sogar einzelne Zuschauer bemerkt. Dahinter wird die Strecke aber von dem langgezogenen Lindwurm der Läufer und der Helfer abgesehen fast menschenleer.

Die Strecke führt nun an Äckern vorbei eine Landstraße entlang. Da die Sonne nun immer mehr durch die anfängliche Nebelschicht durchbricht wird es mir schnell warm. Wie gut dass ich doch meine Shorts angezogen habe, denke ich mir.
Nach 3 Kilometern überholen wir bereits den Besenwagen der 10 Kilometerläufer, die 15 Minuten vor uns gestartet sind. 
Ich überhole darauf einen gemütlich dahin trottenden älteren dicklichen Herrn, der wahrscheinlich einer der Kurgäste ist, der auch mal einen 10 Kilometerlauf laufen wollte.
Kurz dahinter laufen wir in den Schatten eines Wäldchens, das links von uns liegt. Gerade noch rechtzeitig warnt uns ein Streckenposten, dass es hier spiegelglatt ist. Selbst in der Hitze der späteren zweiten Runde sollte an dieser Stelle der Boden noch gefroren sein.
Hinter einer scharfen Rechtskurve laufen wir an Pferdekoppeln vorbei wo erstaunt Pferde aufblicken und sich vielleicht fragen, was für verrückte Wesen da heute unterwegs sind....

An der ersten Trinkstelle finde ich kein Wasser und erwische nur einen Tee, der mir gar nicht mundet. Angeekelt und fluchend werfe ich den Becher weg. Gut dass ich da als Reserve meine Fläschchen dabei habe.
Kirchheim ist die nächste Siedlung, die wir durchqueren. Vereinzelt sieht man ein paar neugierige Dorfbewohner am Streckenrand stehen.
Hinter Kirchheim ist die Strecke recht lieblich und ich werfe ab und zu einen Blick in die Landschaft. Wir durchqueren ein Wäldchen und irgendwo dort auch die 10 Kilometermarke, die ich in für mich schneller Zeit von 49:40 überquere. 
Kurz danach fasse ich wieder Verpflegung und im nächsten Dorf werden wir durch eine Sirene, die jemand am Streckenrand betätigt, empfangen. Das war leider die einzige "Streckenunterhaltung" die wir auf der ganzen Strecke hatten. Von Musikbands, Sambabands u.ä. ist leider weit und breit nichts zu sehen. Dass so was auch bei Landschaftsmarathons gut funktionieren kann und auch dazugehört beweisen ja Läufe wie z.B. der Fränkische Schweiz Marathon oder auch der Swiss Alpine.
Statt an aufmunternder Sambatänzerinnen abgelenkt, laufen wir nun eine Straße entlang einer ewigen langen Gerade. Ich "freue" mich schon innerlich auf die zweite Runde und diese Stelle dann jenseits der 30 Kilometer.

Von Aigen nach Irching laufen die einen am Radweg entlang und die anderen auf der Straße. Ich entscheide mich zuerst für die Straße. Bei einer Rechtskurve wechsle ich dann auf den Radweg. 
In Irching zeigt ein Wegweiser an, dass es noch 7 km nach Bad Füssing sind.
Tatsächlich passieren wir dann bald Kilometermarke 14. Kurz dahinter empfangen uns Fotografen. Damit keiner zu verbissen dreinschaut wird das bereits 100 m vorher angekündigt, so dass wir eine halbe Minute Zeit haben, besonders gekünstelt "fröhlich" dreinzublicken.
Da es mir jedoch noch sehr gut geht und ich gut im Zeitplan bin fällt mir das nicht allzu schwer.
Nach einigen weiteren Kilometern sieht man schon wieder in der Ferne das Thermenbad.

Bei KM 18 bemerke ich überrascht und erschreckt, dass ich bei gleichem Puls und Feeling den letzten Kilometer nur in 5:10 gelaufen bin. 
Da weiß ich bereits, dass ich die für dieses Jahr angepeilten 3:30 heute definitiv nicht laufen werde.
Bei Egglfing geht es leider auf eine Straße, wo auch einige Autos fahren. Das nervt.  Dahinter führt die Strecke wieder auf einen kleinen schönen Fahrweg. Eine Unterführung leitet uns unter eine Hauptverkehrsstraße hindurch. Ich muss an die mehrere Hundert Meter lange Unterführung beim Hamburgmarathon mit den Laolawellen und der unbeschreiblichen Stimmung mit den Massen von Zuschauern am Ein- und Ausgang der Unterführung denken. Na ja sage ich mir, heute spielen wir in einer ganz anderen "Liga" und es bleibt bei meiner Ein-Mann-Laola-Welle bei der Unterführung. Die zwei Schaulustigen über uns gucken ganz erstaunt...
Gleich hinter der Unterführung sehe ich die KM 40 - Marke. Ich träume: "Wäre das schön!". 
Aber wenigsten folgt kurz dahinter die 19 km Markierung und ich freue mich auf die restlichen 23 km .

Kilometer 20 passieren wir an einer Kuhweide. Das Rindvieh auf der Weide ignoriert uns. Wie schön wäre da ein "Muh" gewesen, wo doch die einheizenden Zuschauer so fehlen...
Dafür empfangen uns noch mal Fotografen und schon geht es in die Zielgerade für die Halbmarathonläufer.
Hier sehen wir endlich mal darüber beglückt etliche Zuschauer und ich passiere die Halbmarathondistanz in der für mich noch guten Zeit von 1:44:45 und hänge mich an zwei Marathonläufer ran.

Die zweite Hälfte bis Kilometer 42,2 - Nach dem Motto doppelt genäht hält besser

Da die erste Runde so schön war, machen wir halt noch mal eine, denke ich belustigt. 
Es ist aber nun richtig leer um mich geworden. Fast 3/4 der Teilnehmer haben sich für die halbe Distanz entschieden und der kümmerliche Rest der Marathonläuferinnen und Läufer hat sich mittlerweile gut über die ganze Strecke verteilt. So bin ich ganz froh noch zwei bis drei Mitstreiter in meiner Nähe um mich zu haben.

Die nächsten Kilometer spule ich einfach so ab ohne mir viel Gedanken und Gott und die Welt zu machen. Es geht nur noch um eins, möglichst schnell  und gut das Ziel zu erreichen. 
Bei Kilometer 22 wähle ich am Büffet des hiesigen Verpflegungspunktes von der Festtafel wieder einen Drink kristallklaren Wassers und futtere als Hauptgang wenig genüsslich ein Powergel. 

Am Wäldchen ist es immer noch glatt, obwohl es in der Sonne mittlerweile pudelwarm und wie ich finde viel zu warm geworden ist. Bei den Trinkstellen bin ich bereits übergegangen mit den Resten meines Trinkwassers eine Dusche zu nehmen und das im Februar!
Kilometer 25 passiere ich in persönlicher Bestzeit von 2:04:42. Wie schade dass ich nun nur noch den Kilometer etwa in 5:20 laufe denke ich mir. Für meinen miserablen Trainingsstand bin  ich es halt doch etwas zu schnell angegangen. Leider überholen mich nun auch mal öfters Läufer. Das gefällt mir nicht so gut. Selbst andere überholen macht nämlich mehr Spaß!

Kilometer 30 passiere ich ohne große Ereignisse. Kurz danach überhole ich den ersten Geher. Was mir bei diesen Marathon besonders auffällt ist, dass ich kaum "Geher" sehe. Ein typisches Zeichen dafür, dass heute nur die "Profis" unterwegs sind.
Die lange Gerade vor Aigen wo ich mich in der ersten Runde vor der zweiten Runde so gefürchtet habe, spule ich als absoluter "Ignorant" ab.
Dahinter entscheide ich mich wieder zuerst für die Straße dann für den Fahrradweg.

In Irching sind es immer noch 7 km nach Bad Füssing, wie ich beruhigt feststelle. Dafür hat sich auch der letzte potentielle Zuschauer aus dem Staub gemacht. Auch die Fotografen sind weit und breit nicht mehr zu sehen.

Bei der Versorgungsstelle hinter KM 35 stelle ich beunruhigt fest, das mir bereits mein Powergel ausgegangen ist. Ich muss mich daher mit dem begnügen, was die Festtafel so bietet. Als Aperitif genehmige ich mir den giftfarbenen Mineraltrunk. Als Hauptgang wähle ich ein Stück Banane in das ich lust los reinbeiße. Den Rest werfe ich in weitem Bogen weg und spüle das ganze mit einem Schluck Wasser als abschließenden Drink herunter. So frisch gestärkt versuche ich meine nun doch etwas müden Knochen wieder in Gang zu setzen.
Das klappt auch so halbwegs. Störender empfinde ich die nun noch mehr befahrene Straße bei Egglfing, die man für den Verkehr sperren hätte sollen. 
Die zwei Schaulustigen bei der Unterführung haben sich auch aus dem Staub gemacht. So lasse ich die Laolawelle ausfallen und freue mich über die 40 er Marke. Leider ist sagt mir auch die Zeit, dass ich heute weder unter 3:40 noch gar meine bisherige Bestzeit von 3:38 unterschreiten werde. Aber eigentlich bin ganz froh und kann so die letzten 2 Kilometer locker durchlaufen, da es um nichts mehr geht.
Ein paar andere Läufer sind ehrgeiziger und so überholt mich noch der eine oder andere, aber ich wenigstens auch wieder einen "Geher".

Auf der Kuhweide bei KM 41 weiden weiterhin friedlich die Rinder und ich bin froh, dass das Ziel so nah ist.
Von der Fotografin, die sich tatsächlich noch nicht aus den Staub gemacht hat, empfange ich in Vertretung der nicht vorhandenen Zuschauer einen aufmunternden Zuruf.

Endlich auf der Zielgerade haben sogar noch ein paar Hundert Zuschauer durchgehalten. Dort steht auch meine Frau, die mir noch mal so richtig einheizen will.

Ich laufe fröhlich lächelnd mit erhobenen Armen durch die Ziellinie nach 3:40:34.
Dummerweise bücke ich mich hinter dem Ziel  und werde prompt fotografiert. Das ist ärgerlich.
Ich empfange glücklich meine Medaille, nehme mir eine Decke und freue mich über meinen 9. gefinishten Marathon.

Nach einer Erfrischung gehen Gaby und ich ins warme Thermenbad, das den geschundenen Gliedern richtig gut tut....

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