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laufspass.com30. Fidelitas Nachtlauf am 28.06.2008  - 80 Laufkilometer in die Nacht hinein -Laufbericht von Günter Kromer

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Fidelitas Nachtlauf 2008

Romantischer Hohlweg beim Fidelitas Nachtlauf 2008

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Der FINAMA, einer der ältesten noch stattfindenden Ultraläufe, feiert sein 30. Jubiläum. Heute nehmen daran außer etwa 250 Startern für die gesamten 80 km auch sehr viele Läufer der 4x20 km Staffeln teil. Für mich ist es der erste Wettkampf mit mehr als Marathondistanz, aber ich bin dank guter Vorbereitung recht optimistisch. Das Laufabenteuer beginnt heute bei den meisten Teilnehmern mit großer Verärgerung. Egal ob Staffel- oder Einzelläufer, egal ob Nachmeldung oder schon Wochen zuvor bezahlt, wir müssen fast eine halbe Stunde in praller Sonne vor einem einzigen Laptop in der Warteschlange stehen. Für Verzögerung sorgen auch die 5 Euro Pfand, die man ohne vorherige Ankündigung für den Transponder zahlen muss. Ich bin nicht der einzige, der kein Geld dabei hat. Zum Glück wird dies unbürokratisch geregelt.
Fidelitas Nachtlauf 2008
Das neue Startgelände
Um 17:02 Uhr fällt der Startschuss.

Das Wetter ist für Ende Juni fast ideal - 27 C, ohne die für die Rheinebene typische Schwüle und laut Wetterbericht garantiert ohne Regen. Anfangs führt die Strecke schattig durch den Oberwald, eines der beliebtesten Laufreviere in Karlsruhe. Ein schöner Wald mit viel Gras und Farn am Boden einfach herrlich! Unterwegs kommen wir an einem kleinen Tierpark mit Antilopen, Gazellen u.a. vorbei. 

Fidelitas Nachtlauf 2008
Tierpark Oberwald
Nach einigen Kilometern weicht die stille Natur vorübergehend Gewerbe- und Wohngebieten. Doch die Durchquerung des einzigen langweiligen Streckenabschnitts dauert weniger als eine Stunde. Hinter dem letzten Gewerbegebiet führt die Strecke sonnig und flach zwischen Maisfeldern hindurch. 

Fidelitas Nachtlauf 2008
Endlich raus aus der Stadt!

Fidelitas Nachtlauf 2008 
Sonnig durch die Maisfelder

Obwohl es heute nicht allzu heiß ist sind alle Läufer nun froh darüber, dass die Getränkestationen recht gut bestückt sind. Es gibt sogar Melonenstücke! Nach etwa 18 km ist in Grötzingen für die ersten Staffelläufer schon Feierabend. 
Fidelitas Nachtlauf 2008
Günter Kromer an der 1. Wechselstelle
Nun endet der flache Teil der Strecke und es beginnt eine ausgesprochen reizvolle Tour durch das südliche Kraichgau und später durch die nördlichsten Ausläufer des Schwarzwalds. Ein romantischer Aufstieg führt durch einen tief in den Lößboden eingeschnittenen Hohlweg. Mit Ausnahme von einigen Läufern des zweiten Staffelabschnitts, die frisch und munter an mir vorbeisausen, wechselt nun jeder vom Laufen zum Gehen über. Hier schon unnötig Kraft verschwenden wäre für die restlichen 60 km fatal! 
Fidelitas Nachtlauf 2008
Aufstieg durch einen romantischen Hohlweg
Nach Bewältigung dieses Aufstiegs erreichen wir einen angenehmen, schattigen Waldweg. Ringsum zwitschern die Vögel, die Sonne scheint zwischen dem Laubdach hindurch es ist einfach herrlich, hier zu laufen! Anschließend geht es auf Feldwegen mit hübscher Aussicht weiter. Dank der heute sehr klaren Luft wirkt der Panoramablick auf die Felder und Obstgärten des Kraichgauer Hügellands besonders schön. 
Fidelitas Nachtlauf 2008
Wunderschöne Strecke
Fidelitas Nachtlauf 2008
Jöhlinger Höhe
Fidelitas Nachtlauf 2008
Landschaftsgenuss
Wir laufen hinab nach Jöhlingen, wo fast keine Zuschauer stehen. Wer viel Applaus braucht ist beim FINAMA ohnehin an der falschen Stelle. Stattdessen sind hier stundenlang Stille und Landschaftsgenuss eine Wohltat für die Seele.
Ich bin meinem Zeitplan schon 40 Minuten voraus. Das ist ungünstig, denn ich will ich meine Kraft nicht vorzeitig verschleißen, sondern auf die 80 km aufteilen. Also reduziere ich auf den nächsten Kilometern mein Tempo und fühle mich dadurch auch gleich besser. Hinter Jöhlingen führt der nächste Aufstieg erneut über schöne Hänge mit weiter Aussicht. 

Fidelitas Nachtlauf 2008

Fidelitas Nachtlauf 2008

 Später geht es bergauf und bergab, abwechselnd durch Wald und Wiesengelände. Unterwegs komme ich an einigen schönen Wegkreuzen vorbei.
Fidelitas Nachtlauf 2008
Eines von mehreren schönen Wegkreuzen

Fidelitas Nachtlauf 2008 
Der Läufer und sein Schatten

 Unten im Pfinztal laufen wir an einer alten Mühle vorbei (leider ohne Mühlrad).
Fidelitas Nachtlauf 2008
Mühle im Pfinztal

Dann beginnt auf der anderen Seite ein langer Aufstieg, den 80er Läufer am besten wieder gehen statt laufen sollten. Anschließend führt der Weg hinab nach Mutschelbach. Durch den Wald sehe ich im Westen den Himmel in leuchtendem Orange. Dann wird es allmählich dunkel, doch auf den nächsten Kilometern kann ich die Landschaft um mich herum noch erkennen. 
Fidelitas Nachtlauf 2008
Zeit für die Stirnlampe

Unterwegs überschreite ich die Marathon-Distanz. Trotz der hügeligen Strecke fühle ich mich bisher besser als erhofft. Nach der Durchquerung von Langensteinbach treffe ich meine Freundin Annette, die an mehreren Punkten entlang der Strecke auf mich wartet und mir meine selbst gemixten Iso-Getränke (nur Säfte, Wasser und Salz, keine Chemie!), Nüsse und Kaffeebohnen und an dieser Stelle auch meine Stirnlampe gibt. Nun laufe ich durch stockdunklen Wald. Heute scheint kein Mond, und am Himmel stehen nur wenige Sterne. Bei einer Grillhütte findet eine Party statt. Die Leute hier können es kaum glauben, dass jemand so verrückt ist, stundenlang durch die Nacht zu rennen, aber als ich Wasser vom Brunnen trinken will bieten sie mir Bier an. Darauf hätte ich jetzt wirklich Lust, aber noch liegen fast 30 km vor mir. Aber die Getränkeauswahl der Verpflegungsstationen ist auch gut. Allerdings wären Hinweiszettel über den Inhalt der jeweiligen Becher hilfreich, damit man nicht immer fragen muss, was wo drin ist. Wieder folgt ein schöner Streckenabschnitt, bei dem ich trotz Dunkelheit die Landschaft genieße. Bei Nacht nehme ich den würzigen Duft blühender oder frisch gemähter Wiesen intensiver wahr als am Mittag. Kurz vor Ittersbach tausche ich bei Annette den im Dunkeln ohnehin sinnlosen Foto gegen meinen mp3-Player. 
 Fidelitas Nachtlauf 2008
Nächtlicher Abstieg nach Ittersbach

Die Straße führt steil nach Ittersbach hinab. Wer hier den Fehler macht, das starke Gefälle zu einem Sprint zu nutzen, muss dies in den folgenden Stunden mit Muskelschmerzen büßen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass mein erster Ultra spätestens ab hier zu einem harten Kampf ums Durchhalten würde. Stattdessen fühle ich mich jetzt noch fast wie bei einem Trainingslauf.
Nun folgt der lange, flach ansteigende Weg nach Langenalb, wo ich den höchsten Punkt der Strecke erreiche. Anschließend laufe ich meist auf bequemen Waldwegen hinab ins Albtal. Dieser nicht zu steile Abstieg bietet willkommene Erholung für die Muskulatur. Unterwegs sehe ich auf dem Weg eine noch brennende Zigarette. Um diese Uhrzeit kann sie kaum von einem Spaziergänger stammen. Die muss ein verantwortungsloser Fahrradbegleiter weggeworfen haben. Aufgrund der Waldbrandgefahr bleibe ich kurz stehen und trete sie aus.
Ab Marxzell sind es nur noch 19 km, ich fühle mich immer noch gut und liege deutlich vor meinem Zeitplan. Die schnellen Pop- und Rock-Rhythmen, die ich extra für diese Nacht in den mp3-Player geladen habe, sorgen dafür, dass ich wie eine Maschine schneller als geplant durch das Albtal trabe. Über den heißen Kaffee an den Getränkestationen bin ich sehr froh. Nun sind die Abstände zwischen den Läufern so groß, dass ich nur noch sehr selten jemandem begegne. Fledermäuse flattern über meinen Kopf.
In Ettlingen sehe ich weder Zuschauer noch andere Läufer. Dann geht es am Rande der Rheinebene Richtung Ziel. Nachtfalter flattern munter im Licht meiner Lampe. Von einer Autobahnbrücke aus sehe ich am Horizont die schmale Mondsichel aufgehen. Der letzte Abschnitt führt wieder durch den Oberwald. Ein Reh läuft zwanzig Meter vor mir über den Weg und bleibt im Gebüsch stehen. Seine Augen leuchten im Licht meiner Lampe wie kleine Scheinwerfer. Da ich hier sehr oft trainiere kenne ich die restliche Strecke bis zum Ziel wie meine Wohnung. Hier kann ich mich selbst in der dunkelsten Nacht nicht verlaufen. Jetzt freue ich mich auf eine für mich unerwartet gute Finisherzeit und beschleunige sogar mit letzter Kraft meine Schritte. Nur noch ein paar hundert Meter! Doch plötzlich zeigen weiße Linien auf dem Boden, dass ich hier nicht wie geplant abzweigen darf. Ich wundere mich, laufe irritiert noch ein Stück geradeaus, muss dann aber erkennen, dass die Strecke gegenüber der Skizze in der Ausschreibung geändert wurde. Meine Freude weicht grenzenloser Enttäuschung. Mir bleibt nichts anderes übrig, als nach Kilometer 80  wieder ein paar hundert Meter zurückzulaufen und den richtigen Weg zu suchen. Dann erreiche ich endlich den Sportplatz mit dem
Ziel. Eigentlich sollte mein Gefühl beim Zieleinlauf meines ersten Ultras Triumph sein, stattdessen bin ich wütend über die durch den Umweg vergeudete Zeit. 9:46 dieses Ergebnis hätte ich nie erhofft, doch wenn die Streckenführung mit der Karte übereingestimmt hätte wären es sogar einige Minuten weniger gewesen.
Kurz darauf sehe ich vor dem Sportplatz einige Läufer aus der anderen Richtung auf das Ziel zusteuern. Sie wurden zuletzt ebenfalls Opfer der Strecke, kehrten aber im Gegensatz zu mir nicht um sondern kürzten sogar ein Stück ab. Später erfahre ich, dass recht viele mit den Markierungen Probleme hatten.
Bereits auf dem Heimweg weicht mein Ärger wieder der Begeisterung über diesen insgesamt doch sehr schönen Lauf. Abgesehen vom Ärger am Start und vor dem Ziel kann man ihn uneingeschränkt empfehlen, und im nächsten Jahr werden die aktuellen Probleme sicher behoben.

Kurzinfos:

80 km, davon 26 km auf flacher, der Rest auf hügeliger Strecke. Teils asphaltiert, teils sehr gut zum Laufen geeignete Wald- und Feldwege, nur ca. 500 Meter auf einem etwas steinigen Pfad. Der größte Teil der Strecke führt durch die Natur, nur kurze Abschnitte durchqueren Wohn- oder Gewerbegebiete.
Insgesamt 19 Verpflegungsstellen mit guter Getränkeauswahl sowie teilweise mit Bananen, Melonen, Brot, Hefezopf u.a. Die Startgebühr von 30 Euro ist für so einen Lauf ausgesprochen günstig. Das neue Startgelände ist hervorragend mit der Straßenbahn erreichbar, und auch die ganze Nacht über fahren Bahnen alle 30 Minuten fast direkt vom Ziel in die Stadt und zum nur 5 Minuten entfernten Hauptbahnhof.

Links:

Internetseite des Veranstalters: www.fidelitas-nachtlauf.de  

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