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Bericht vom Hamburg Marathon
am 27.04.2008 von Joachim Hartmann

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Hamburg Marathon

Start beim Hamburg Marathon
(Bildquelle: Pressebild des Veranstalters des Hamburg Marathons)

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In sieben Wochen zum Hamburg-Marathon

Die letzten acht Wochen einer Marathonvorbereitung, so die Meinung der Experten, sind entscheidend für die Form am Wettkampftag. Klar, man muss auch vorher laufen. Aber letztendlich dient das nur dem Zweck so fit zu werden, dass man das 8-Wochen-Training in erforderlichem Umfang und Tempo durchsteht. Soweit die Theorie.

Mir blieben bis zum 27.4., dem Tag des diesjährigen Hamburg-Marathons, genau sieben Wochen zum Trainieren. Und das, obwohl ich mich bereits im November angemeldet hatte. Wie konnte das passieren?

„Abbruch, Einbruch, Durchbruch“ war das Motto. Dieses Mal sollte es besser laufen als letzten Herbst. Nach einem Abbruch in München und einem Einbruch in Frankfurt, wo ich dann zwar finishte aber eine Gehpause einlegen musste, sollte im Frühjahr in Hamburg bei meinem 4. Marathon der Durchbruch gelingen. Dennoch bedurfte es einiger Überredungskunst des Kollegen Christoph Eckert, mich zur Anmeldung eines Frühjahrsmarathons zu bewegen. Am Ende siegte mein Mitleid. Christoph verfolgt, wie ich, das große Hobbyläufer-Ziel, einmal die verdammten 42,2 km unter 3 Stunden zu laufen. Er brauche nur einen guten Trainingspartner. Dann würde er das schon schaffen. Ich sei doch jetzt gut in Form und brauche die ja bloß in den Frühling rüber zu retten.

Christoph hatte schon recht. Ich war super austrainiert. Beim gemeinsamen Bahntraining im November liefen wir 10000 m. Alle 2000 m legten wir einen Sprint ein, bei dem ich Christoph regelrecht stehen ließ. Keuchend wie eine alte Dampflok blieb er hinter mir zurück und rief frustriert „Du Wahnsinniger!“. Ich muss gestehen, das tat gut. Aber irgendwie schwante mir schon, dass sich das Blatt wenden würde. Trotzdem meldete ich mich für den Hamburg-Marathon an. Christoph und ich wollten in Hamburg die 3:05 h abhaken, um dann im Herbst zum Knacken der 3:00 h in Berlin anzutreten.

Wenige Tage nach der Anmeldung nahm das Übel dann seinen Lauf. Ein Ziehen im rechten Schienbein. Was soll’s. Ich kenne das. Passiert immer, wenn die Dämpfung der Laufschuhe nachlässt. Irgendwie fehlt mir gerade die Zeit, mich nach günstigen, neuen umzuschauen. Zwei weitere Wochen und das Ziehen hat sich zu richtigen Schmerzen entwickelt. Preis egal. Jetzt müssen neue Schuhe her. Damit dürfte die Sache ja wohl ausgestanden sein.

Denkste! Trotz neuer Schuhe will der Schmerz einfach nicht weggehen. Ich greife zur Selbstmedikation: entzündungshemmende und schmerzlindernde Tabletten. Phantastisch! Nach einem halben Tag sind die Schmerzen wie weggeblasen. Also laufe ich weiter. Nach einer Woche setze ich die Tabletten ab. Der Schmerz ist in alter Frische wieder da.

Es ist inzwischen Dezember. Ich suche einen Orthopäden auf. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich zu seinem Stammgast werden würde. Und der Grund dafür war nicht, dass mein Arzt früher auch Marathon gelaufen ist und ich mich prima mit ihm über Laufen unterhalten kann. Er bestätigt meine eigene Diagnose „Knochenhautentzündung“ und verordnet mir zur 3-wöchigen Laufpause das reinste Wellnessprogramm: Salbenkur, Sauna, Massage, heiße Bäder.

Nach den 3 Wochen beginne ich wieder zu laufen. Wieder Schmerzen. Erneut eine 2-wöchige Pause und Infusionen. Mit langsamen Einheiten fange ich erneut an. Der Februar vergeht ohne Intervalle und ohne lange Läufe. Ich weiß, wie wichtig diese Einheiten sind, will es aber nicht herausfordern. Immer noch setze ich auf die 8-Wochen-Regel. Wenn ich da nur hart genug trainiere, wird’s schon werden.

Wie ich erfahre, sind auch die Kollegen Stephan Ritter und Martin Ziehl für Hamburg angemeldet. Mit Christoph laufe ich schon lange nicht mehr. Seine Wochenumfänge und Intervallzeiten lassen mich erblassen.

Ende Februar muss ich beruflich eine Woche nach Indien. Da ich nicht scharf auf einen Lauf über unbefestigte Gehsteige im Slalom um heilige Kühe bin, bleibt nur das Laufband im Hotel. Aber das hakt und stoppt urplötzlich. Nur mit Mühe entgehe ich einem Sturz.

Am Tag der Rückreise brechen die letzten 8 Wochen an. Ich habe den eisernen Willen, sie nach Plan zu trainieren. Zwei Stunden nach der Landung bin ich auf der Piste, um den ersten 35-Kilometer-Lauf dieses Jahres hinter mich zu bringen. Allerdings macht die nach solchen Fernost-Reisen übliche Störung der Darmflora den Lauf zu einer Tortur. Aber damit nicht genug. Drei Tage später bricht eine Erkältung aus. Ich friere, habe Husten und Gliederschmerzen. Eine weitere Woche Pause ist angesagt.

In den kommenden Wochen orientiere ich mich an Trainingseinheiten, die immer noch auf eine Wettkampfzeit von 3:05 h abzielen. Aber ich erreiche sie nicht. Jetzt wird erst richtig deutlich, was ich an Form eingebüßt habe. Von den Intervallzeiten im Herbst bin ich meilenweit entfernt. Und auch für die langen Läufe benötige ich fast 20 Minuten länger.

Dann eben Masse statt Klasse. Ich erhöhe auf 5 Lauftage und 85-95 km pro Woche. Soviel habe ich vor keinem Marathon zuvor trainiert.

Ich bin erschöpft. Die raue Jahreszeit tut ein Übriges. Der März ist stürmisch. In der Nacht höre ich, wie der Regen gegen das Fenster peitscht. In dem Bewusstsein, gleich aufstehen und bei dem Sauwetter noch im Halbdunkel zu einem schnellen Lauf aufbrechen zu müssen, ziehe ich mir die Bettdecke über den Kopf.

Den nächsten langen Lauf mache ich bei Schneetreiben. Knapp nach der Hälfte der Strecke stelle ich fest, dass ich mein Handy verloren habe. Mist! Sofort drehe ich um und halte danach Ausschau. Wegen des Schneefalls muss ich die Brille abnehmen. Die weit geöffneten Augen schmerzen vom einfallenden Schneeregen. Längst habe ich das Handy aufgegeben, als ich es nach 17 km Suche endlich finde.

Bei einem Tempolauf irgendwann früh morgens rutsche ich beim Wenden auf glitschigem Waldboden aus und falle der Länge nach in den Matsch.

Die Beine quittieren das Fehlen des Aufbautrainings mit Schmerzen. Die Knochenhautentzündung meldet sich zurück, ist aber erträglich. Das neue Ziehen im linken Sprunggelenk, das von Lauf zu Lauf schlimmer wird, stört da schon mehr.

In der vierten Trainingswoche dann die ersten Erfolgserlebnisse. Bei den 15km-Tempoläufen werde ich deutlich schneller. Beim nächsten langen Lauf höre ich nach 2 km, wie sich mir jemand nähert. Es ist Martin Ziehl. Eigentlich will er schneller laufen als ich, passt sich aber meinem Tempo an. Wir laufen die nächsten 16 km gemeinsam. Danach kann er nicht mehr mithalten. Ich bin richtig gut drauf und laufe die letzten 17 km so schnell, dass es mein schnellster 35-km-Trainingslauf aller Zeiten wird.

Aber die Schmerzen in Unterschenkel und Sprunggelenk sind ständige Begleiter. Der Orthopäde gibt mir Spritzen.

Jetzt, 2 ½ Wochen vor dem Marathon, sieht es gar nicht so schlecht aus. In den 15 km-Tempoläufen schaffe ich eine Kilometerzeit von 4:20 min. Laut meinem Traingsplan-Autor Peter Greif ( www.greif.de ) wären damit 3:05 h machbar. Wegen der Kürze des Trainings will ich auf Nummer sicher gehen und nehme mir 3:15 h vor.

Wenn ich zusammenrechne, komme ich in diesem Jahr auf eine Laufleistung von ca. 600 km. Damit habe ich gerade mal die Hälfte von Christophs Laufpensum. Muss er dann nicht auch doppelt so schnell laufen wie ich? Jedenfalls ist er in Spitzenform. Er will in Hamburg auf unter 3 Stunden laufen.

2 Wochen vor dem Marathon steht der letzte schnelle, langer Lauf an. Wieder treffe ich Martin. Und wieder dasselbe Spiel. Wir laufen 20 km zusammen, dann gebe ich Gas und laufe ziellos weiter. Gegen Ende dieses Laufs spüre ich wieder Mal ein Ziehen. Diesmal im linken Oberschenkel.

Zwei Tage später steht noch einmal ein 15km-Tempolauf auf dem Trainingsplan. Ich freue mich darauf, dass es ist die letzte schwere Einheit vor dem Wettkampf ist. Aber die Freude hält nicht lange an. Ein schiefer Auftritt, und es gibt einen Stich im linken Oberschenkel.

Von jetzt an geht fast nichts mehr. Die folgenden Läufe muss ich wegen Schmerzen vorzeitig abbrechen. 5 Tage vor dem Rennen frage ich mich, ob es nicht vernünftiger wäre, nicht zu starten. Noch einmal besuche ich den Arzt. Er rät mir, es trotzdem zu versuchen. Kaputtmachen könne ich nichts. Er tippt auf eine Übersäuerung des Muskels.

Am Freitag, dem 25.4, zwei Tage vor dem Rennen, suche ich ein letztes Mal meinen Orthopäden auf. Als er mit die Spritze verpasst, fühle ich mich wie ein lahmes Rennpferd, das vor einem Rennen fit gemacht wird.

Am Samstag auf der Marathonmesse in Hamburg lassen wir auf dem Greif-Stand eine Leistungsdiagnose auf Basis einer Körperfettbestimmung durchführen. Christoph ist sauer. Sein Fettgehalt fällt noch nicht mal in die Kategorie „Volkssportler“ und übersteigt den des Käses, den er am nächsten Morgen frühstückt. Außerdem sagt die Marathonzeit-Vorhersage einen Wert über 3 Stunden voraus. Mein Fettgehalt ist 2 % niedriger, und die vorhergesagte Zeit passt.

Hamburg Marathon

Start beim Hamburg Marathon
(Bildquelle: Pressebild des Veranstalters des Hamburg Marathons)

Sonntagmorgen. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Leider zähle ich nicht zu den begnadeten Läufern, die die Laufenlass-Hemmung, welche uns zivilisierten Mitteleuropäern als Kleinkind anerzogen wird, einfach so ablegen können. Deshalb stelle ich das Trinken eine Stunde vor dem Start ein in der Hoffnung, den Marathon ohne Boxenstopp durchzustehen.

Ich begebe mich in den Startblock. Es ist warm. Mein Hals ist trocken. Ich bin richtig durstig.
Der Startschuss fällt. In dem dichten Gedränge passe ich mich dem Tempo der anderen an. Obwohl ich den ersten Kilometer drei Sekunden langsamer als geplant laufe, ist es anstrengend. Ich fühle mich unwohl und laufe hart an der Atemnot. Mir wird klar, dass das heute nicht mein Tag ist. Bei den 15km-Tempoläufen im Training lief ich ohne wirkliche Anstrengung 10-12 Sekunden pro Kilometer schneller. Liegt das an der Hitze? Mir geht durch den Kopf, dass heute keiner von uns sein Ziel erreichen wird. Damit sollte ich nicht ganz recht behalten.

Bei Kilometer 10 bin ich fast in der Zeit, habe aber das Gefühl, meine Brust wäre eingeschnürt. Zwei Kilometer später überhole ich einen älteren Herrn, der mir bekannt vorkommt. „Peter?“. „Ja, ich bin’s“, entgegnet mir Peter Greif. „Hallo, Peter“, rufe ich ihm zu.

Einige hundert Meter später sehe ich eine junge Frau mit Blindenzeichen. Sie wird von einem Mann an einer Schnur geleitet. Irgendwie bin ich gerade in einer kommunikativen Phase. „Ihr macht das echt toll“, sage ich. Ich fühle mich ganz gut, aber das hält nicht lange anhalten. Bei Kilometer 15 tut der Oberschenkel weh. Ich muss das Tempo reduzieren. Die Schmerzen bleiben und strahlen ins Knie aus. Ich finde mich damit ab, langsam zu laufen. Finishen ist jetzt die Devise. Und obwohl ich nicht mehr schnell unterwegs bin, strengt mich alles an.

Ab Kilometer 25 zähle ich die Kilometer herunter. „Nur noch 17“, sage ich mir. „Was sind schon 17 Kilometer.“ So geht es weiter. 16, 15, 14, …

Einer der Mitläufer ruft ständig den Zuschauern zu „Sind wir schon da? Sind wir schon da?“
Die endlos anmutende Laufstrecke, das Herangehen an die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit und das Wissen, das sich alle so furchtbar elend fühlen müssen wie man selbst, schweißt uns Läufer zusammen. In ganz eigentümlicher Weise fühlt man sich den anderen Teilnehmern verbunden, und so meint einer der Läufer zu dem Sind-wir-schon-da-Rufer: „Halt endlich die Klappe. Du regst mich auf.“

Bei Kilometer 30 bleibe ich kurz stehen, um den Oberschenkel zu massieren. Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum ich mir das antue. Aber jetzt aufzuhören, wäre töricht. Lieber langsam laufen und das Ding zu Ende bringen. Bei Kilometer 35 schreie ich vor Anstrengung und Schmerz. Das setzt noch mal Adrenalin frei. Zuschauer feuern mich an. In 3er- und 4er-Reihen stehen sie hier am Rand. Beim 41. Kilometer wird es noch mal besonders hart. Die Strecke steigt hier steil an. Viele sind nicht darauf gefasst, resignieren und gehen. Ich laufe durch. Kilometer 42 und die darauf folgenden 200 Meter gebe ich noch mal Gas, nicht wegen der Zeit, sondern damit es schneller zu Ende ist. Im Ziel stoppe ich meine Uhr bei 3:20:06 h. Na ja, hätte besser sein können. Die Euphorie, die ich sonst nach einem Marathon verspüre, bleibt aus.

Gespannt frage ich die Kollegen nach ihren Ergebnissen. Alle sind neue Bestzeiten gelaufen. Christoph hat zwar mir 3:01:18 sein Ziel knapp verfehlt, aber angesichts der Hitze war das trotzdem eine fantastische Leistung. Ebenso die von Stephan, der mit 3:03:55 sein Ziel deutlich übertroffen hat. Und auch bei Martin sieht’s gut aus. Er ist mit 3:08:36 die Zeit gelaufen, die ich gerne geschafft hätte.

Heute, eine Woche nach dem Lauf, tut mir immer noch der Oberschenkel weh, und ich gehe wie jemand, dem gerade ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde. Die nächsten beiden Monate werde ich erst mal nicht laufen. Muss jetzt meine Wehwehchen auskurieren. Danach ein solides Aufbautraining, um dann die letzten 8 Wochen auf 2:49 h zu trainieren. Wenn ich dann 10 Minuten draufschlage, die ich im Rennen verlieren werde, erreiche ich trotzdem das Ziel, unter 3 Stunden zu bleiben, und kann von da an endlich Marathons im Sight-Seeing-Tempo laufen ;-).

Und Christoph, ich zähle auf dich als Trainingspartner!

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