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Brocken-Challenge am 06.02.2010 - 13 Stunden Eis und Schnee - Laufreportage von Günter Kromer

Teil 1

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Brocken Challenge 2010
Winterlandschaft beim Brocken - Challenge 2010

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6.2.2010 Brocken-Challenge - 13 Stunden Eis und Schnee - Laufreportage von Günter Kromer

Schuld an allem ist nur youtube! Schuld daran, dass ich schon seit über 12 Stunden durch unterschiedliche Winterlandschaften laufe, marschiere oder nur noch langsam gehe, das Ziel aber immer noch in weiter Ferne liegt, schuld daran, dass ich heute morgen kilometerweit über vereiste Wege rannte und schuld daran, dass ich zeitweise in nicht mehr zum Laufen geeignetem tiefen Schnee wie ein Turbopinguin vorwärts watschelte. Doch trotz aller Anstrengung genieße ich heute jeden einzelnen Kilometer, und ich bin froh, dass ich frühzeitig von der Brocken-Challenge erfuhr und nun diesen einzigartigen Lauf selbst erleben kann. Es lohnt sich, im Internet nach Laufberichten zu suchen!
Brocken Challenge 2010
Als ich letztes Jahr an einem heißen Sommertag auf youtube.com einige Videos von Ultraläufern anschaute stieß ich auch auf die NDR-Sendung über die Brocken-Challenge, einen Ultralauf von Göttingen auf den Gipfel des Brocken, des höchsten, kältesten, schneereichsten und windigsten Berges in Norddeutschland.
„Wie kann man nur so verrückt sein, im Winter so einen langen und eisigen Ultra zu laufen?“ dachte ich. „Dort würde ich nicht einmal gegen Bezahlung starten!“ 81,5 Kilometer, dabei laut Streckenprofil 2192 Höhenmeter Aufstieg und 1392 m Abstieg - selbst im Sommer ist das nicht einfach, und ich hasse Kälte, vereiste Wege und Schneematsch.
Brocken Challenge 2010
Keine Ahnung wieso, aber irgend etwas drängte mich in den nächsten Monaten, dieses Video noch ein paar Mal anzuklicken, und die Laufberichte zur BC las ich natürlich auch. Abschreckend! Absolut nichts für ein „Gfrörli“ wie mich, wie meine Freundin zu Recht sagt.
Ich wusste, dass die Anmeldefrist am 1.11. beginnt. „Nur aus Interesse“ schaute ich an dem Tag auf www.brocken-challenge.de , sah dass die Anmeldezahlen sehr schnell in die Höhe stiegen - und schickte auch meine eigene Anmeldung ab. Einen Tag später waren alle 145 Plätze bereits ausgebucht. Nichtläufer können es wohl nie verstehen, wieso ich mich seit diesem Tag auf die Brocken-Challenge freute.

Die Brocken-Challenge ist keine kommerzielle Veranstaltung sondern ein Benefizlauf. Organisiert wird er vom extra für diesen Zweck gegründeten gemeinnützigen Verein ASFM e.V (Ausdauersport für Menschlichkeit e.V., Göttingen). Der komplette Erlös wird gemeinnützigen Zwecken gespendet, in diesem Jahr dem Hospiz an der Lutter und der Bahnhofsmission Göttingen. Im Gegensatz zum Eisweinlauf (siehe meine Reportage vom Dezember) läuft man hier aber nicht gemeinsam, sondern es gibt eine Zeitmessung, allerdings keine Siegerehrung. Viel wichtiger als die Zeit ist aber dennoch, dass möglichst alle ans Ziel kommen. Inzwischen wird die BC sogar mit zwei Qualifikationspunkten für den Ultra Trail de Mont Blanc geadelt.
Brocken Challenge 2010
Als im Januar das Wort „Schneechaos“ die Medien dominierte, die Schneehöhe auf dem Brocken bis 135 cm stieg und dort oben zeitweise minus 27 C gemessen wurden, gab es kaum noch Zweifel, dass nicht nur der letzte Abschnitt sondern die komplette Strecke durch tiefen Schnee führt. Allmählich kam mir schon ein wenig das Gruseln, aber ich freute mich noch immer auf diese Herausforderung.

Was an den letzten zehn Tagen vor dem Start in der News-Rubrik der Homepage über den Streckenzustand steht hat dann allerhöchsten Unterhaltungswert.
Am 26.1. heißt es unter anderem: „Ohne Spikes (IceBugs), YakTrax oder ähnliche Steighilfen und ziemlich feste Schuhe geht im Moment nichts.“
Am 2.2. stand zur ersten Streckenhälfte: „...ca. 20cm Neuschnee auf den meist vereisten Untergrund. Es bestehen sehr stark wechselnde Untergrund-Verhältnisse (Tiefschnee-Spuren bis frei geblasene alte Eiskrusten, teilweise auch gut laufbare Fahrzeug-Spuren“, und beim Rest steht endgültig fest, dass ein Teil der normalen Route wegen Schneebruchgefahr gesperrt sein wird, die Veranstalter also kurzfristig versuchen müssen, eine neue Route zu improvisieren. Dazu soll ein 8 km langer Abschnitt frei gefräst werden, im Gegensatz zur restlichen Strecke, die wie gewohnt unpräpariert bleibt. Aber bereits jetzt ist klar, dass die endgültige Entscheidung über die Route (und ob wir überhaupt auf den Brocken dürfen!) erst am Tag vor dem Start fallen kann.
Am 4.2. wird um 17:13 die Hiobsbotschaft verkündet, dass auch der Schneepflug nicht durch kommt. Zwei Expeditionsteilnehmer versuchen dann, durch hüfthohen Schnee eine Route zu spuren, brauchen aber für drei Kilometer drei Stunden! Außerdem wird ein oberer Streckenabschnitt nach wie vor von der Nationalparkverwaltung wegen Schneebruchgefahr gesperrt. Wir müssen weiter um unseren Gipfelerfolg bangen!
Am 5.2., also am Tag vor dem Start wird dem großartigen Improvisationsvermögen der Veranstalter, die schier Unglaubliches leisteten (ganz großes Lob von allen Teilnehmern!) noch weiterer Einsatz abverlangt, aber dann steht endlich fest: Wir dürfen morgen auf einer um ein paar Kilometer längeren Strecke hinauf zum Brocken laufen. Hurra!

Am 5.2. treffe ich um 18 Uhr im Sport-Hörsaal der Uni Göttingen auf die vielen anderen Verrückten, die ebenso wie ich so unvernünftig sind, bei diesen Bedingungen auf den Brocken laufen zu wollen. Ich kenne Leute, die uns dafür am liebsten in eine geschlossene Anstalt einweisen würden. Auch die Veranstalter lassen sowohl mit schriftlichen Infos als auch bei der Vorstellung der Strecke keinen Zweifel daran, dass es kein gemütlicher Volkslauf sein wird. Etwa ein Drittel von uns will morgen erstmals die BC laufen, der Rest sind Wiederholungstäter.
Als erstes lerne ich die auf extremen Distanzen äußerst erfahrene Ultraläuferin Heike Pawzik kennen, die direkt hinter mir in der langen Warteschlange vor der Startnummernausgabe steht.
Gleich nach Erhalt der Startunterlagen und Unterschreiben der mit unmissverständlichen Warnungen versehenen Haftungsverzichterklärung geben wir alle die Säcke mit trockener Kleidung und Duschzeug ab, denn die werden gleich direkt hoch zum Brocken gebracht.
Sehr sympathisch finde ich, dass nach der Vorstellung der Strecke auch alle Helfe sowie die zuständigen Leute der beiden mit Spenden bedachten Organisationen persönlich vorgestellt werden.

Brocken Challenge 2010
Dann fahren wir zu einem, ein Stück oberhalb der Stadt gelegenen Parkplatz, bei dem morgen früh der Start ist und wo wir im Jägerhaus am Kehr übernachten können. Wer wie ich mit der Bahn nach Göttingen kam, muss mit einem der motorisierten Teilnehmer fahren. Heike nimmt mich mit nach oben, und ich kann morgen auch meinen großen Rucksack mit Schlafsack, Isomatte etc. in ihrem Auto lassen.
Etwa gegen 21 Uhr essen wir dann im rustikalen Ambiente des Jägerhaus zu Abend, natürlich Pasta und Salat, was sonst?
Brocken Challenge 2010
Einige Leute rollen ihre Schlafsäcke unten im Keller aus, für den Rest wird nach dem Essen der Speisesaal leer geräumt, so dass wir alle Platz haben. Schlaf finde ich vorerst nicht, denn ein paar Leute unterhalten sich noch bis nach Mitternacht an der Theke recht lautstark.
Am nächsten Morgen geht um 4:20 Uhr das Licht an und wir werden mit entspannender Musik geweckt. Schnell packen wir unser Zeug zusammen und gehen hinauf zum alten Tanzsaal, wo es ein sehr reichhaltiges Frühstück gibt. Die Atmosphäre in dem urigen Saal passt hervorragend zu diesem Lauf. Gewissermaßen als Einstimmung auf unsere heutige Laufgeschwindigkeit stehen hier die beiden langsamsten Kaffeemaschinen der Welt. Ok, es muss auch ohne viel Koffeindoping gehen!
Brocken Challenge 2010
Pünktlich um 6 Uhr werden wir dann in Nacht und Kälte geschickt. Überraschend ist es gar nicht so kalt wie ich es erwartet hätte. Knapp unter 0 C, dazu fast kein Wind. Ich bin froh, dass ich fünf Minuten vor dem Start noch meine warmen Handschuhe und die dicke Mütze gegen die deutlich leichteren Versionen ausgetauscht habe. Schnell setzt sich die Karawane der Stirnlampenträger in Bewegung. Wie eine lange Polonaise von Glühwürmchen laufen wir auf einem breiten, schneebedeckten Waldweg unserem noch 87 km entfernten Ziel entgegen.
Brocken Challenge 2010
Brocken Challenge 2010
Auf dem ersten Streckenabschnitt bis Mackenrode sorgen am Wegrand in den Schnee gesteckte Fackeln für eine wunderschöne Stimmung.
Gegen sieben Uhr wird es dann langsam immer heller. Heute kommt aber keine richtige Morgenstimmung auf, denn es bleibt grau und düster. Trotzdem können wir jetzt unsere Stirnlampen ausschalten.
Brocken Challenge 2010
Bei Landolfshausen erreichen wir die erste Verpflegungsstelle. Ein kurzer Aufstieg lässt uns dann für ein paar hundert Meter erstmals vom Laufen zum Gehen überwechseln, aber bald wird es wieder flacher. Die Wege sind oft sehr vereist, da der Schnee tagsüber angetaut und nachts wieder gefroren ist. Ich bin sehr froh, dass ich den Rat der Veranstalter befolgte und mir vor einigen Tagen Yak Trax kaufte. Da gestern und vorgestern Tauwetter war können wir aber zwischendurch auch insgesamt einige Kilometer weit auf Asphalt laufen.
Die in Grau gehüllte Landschaft strahlt eine enorme Ruhe aus. Abgesehen vom Knirschen der Spikes auf dem verharschten Untergrund herrscht absolute Stille. Ich genieße diese Stimmung. Ach wie ist es schön, in der Natur laufen zu dürfen!

Brocken Challenge 2010
Auf der ersten Streckenhälfte verteilen sich die Höhenmeter meist auf recht flache Auf- und Abstiege, so dass man abgesehen vom viel Kraft zehrenden Untergrund locker laufen könnte. Vor allem in der Gegend vom Seeburger See ist der Weg aber lange Zeit so vereist, dass ich wohl ohne die Yak Trax viel zu viel Zeit und Kraft verloren hätte, vielleicht sogar gestürzt wäre. Auch viele andere Teilnehmer laufen heute zum allererstem mal mit Spikes. Ich weiß nicht, wie manche es hier mit normalen Schuhsohlen schaffen.
Brocken Challenge 2010
Meist laufen wir durch eine landwirtschaftlich geprägte flache Hügellandschaft. Nur gelegentlich stehen kurze Ortdurchquerungen im Programm. In einem Dorf schaut eine alte Dame aus dem Fenster und fragt mich verwundert, wo wir alle hin laufen. „Von Göttingen hinauf zum Brocken“ antworte ich ihr. Sie stutzt und fragt dann: "Und von dort aus, wo lauft ihr dann hin?" Ich hätte die Oma gleich nach den nächsten Lottozahlen fragen sollen, denn sie hat eindeutig hellseherische Fähigkeiten.
Auf lange Abschnitte entlang von Feldern folgen kurze Walddurchquerungen – eine Gegend, die eigentlich überall in Deutschland sein könnte, heute dauerhaft mit einem trüben Grauschleier belegt.
Nach der Tilly-Eiche folgt ein kurzer, sehr steiler Abstieg. Zum Glück eignet sich ausgerechnet hier die Schneeoberfläche für einen schnellen Bergablauf fast ideal. Bei Eis wäre diese Piste ein perfekter Knochenbrecher.
Brocken Challenge 2010
Jeder Teilnehmer bekam eine ausführliche Streckenbeschreibung sowie Wanderkarten mit der eingezeichneten Route. Zusätzlich speicherte ich die Route auf meinem GPS. Doch dank der guten Markierungen muss ich nie auf diese Hilfsmittel zugreifen.
Bei der Rhumequelle, eine der ergiebigsten Karstquellen Europas, erreiche ich bereits die dritte Verpflegungsstelle.
Brocken Challenge 2010
Die Abstände zwischen mir und anderen Läufern wachsen. Immer mal wieder laufe ich alleine, dann treffe ich wieder auf andere, man grüßt sich, wechselt ein paar Worte, dann geht es wieder alleine weiter. Häufig laufen wir nun in tief im Schnee eingegrabenen Fahrspuren, was aufgrund der schmalen Spur nicht ganz einfach ist. Ich genieße das Laufen nach wie vor, und im Gegensatz zu meinen starken Zweifeln der letzten Tage bin ich jetzt sicher, das Ziel innerhalb des wegen der Streckenänderung von 14 auf 15 Stunden erweiterten Zeitlimits erreichen zu können.
Brocken Challenge 2010
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