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Karwendelmarsch am 27.8.2011 - Drei Sonnenwanderungen und ein Regen-Ultramarathon im Naturpark - Bildbericht von Günter Kromer

52 km und 2300 Höhenmeter

Teil 3

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Mehr über den Autoren Günter Kromer

Karwendelmarsch 2011
Regen und Gewitter Tal beim Karwendelmarsch 2011

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Schließlich erreichen wir die Eng (1.227 m), wo sich das Ziel der 35 km Wanderer und (zumindest laut Ausschreibung) ab 15 Uhr die Cut Off Stelle für die Gesamtdistanz befindet.

Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Der Große Ahornboden ist für die Urlauber aus Bayern das wichtigste Tor ins Karwendelgebirge. In den letzten Jahren und Jahrzehnten änderte sich die Freizeitnutzung dieser Berglandschaft. Früher kamen viele Alpinisten, um die zahlreichen Gipfel mit ihrem brüchigen Felsrouten zu besteigen. Heute kraxelt man lieber in überschaubaren Klettergärten. Das Wandern, das lange als Rentnersport galt, begeistert inzwischen zum Glück auch wieder immer mehr junge Leute. Vor allem Touren von Hütte zu Hütte liegen stark im Trend, und gerade dies zählt zu den Stärken des Karwendel. Unsere heutige Route ist identisch mit Abschnitten von gleich drei großen Fernwanderwegen: Via Alpina, E4 alpin und Adlerweg. Wer ins Karwendel kommt, sucht keinen Eventtourismus und Hüttengaudi mit DJ. Hier gibt es etwas anderes, das anderswo leider meist fehlt: unberührte Natur und Stille. Zugegeben: die Stille geht beim Karwendelmarsch verloren, aber durch solche alles in allem noch umweltverträglichen Veranstaltungen wird auch bei vielen Menschen erst der Sinn für solche Naturregionen geweckt.
In der Eng investiert man in den letzten Jahren viel in Projekte zur Aufforstung mit Bergahorn, um die einzigartige Vegetation aufrecht zu erhalten.
An der Verpflegungsstelle gibt es unter anderem heißen Gemüsefond (mit wirklich viel Gemüse drin!) und eine „äußerst leckere, kalte Heidelbeersuppe, dazu Biojoghurt.
Karwendelmarsch 2011
Nach kurzem Aufenthalt setzen wir die Wasserspiele fort. Als würden Regen und Kälte nicht genügen beginnt nun auch noch ein Gewitter. Über eine steile Forststraße wandern wir bergauf.
Karwendelmarsch 2011
Bei der Binsalm (1.502 m) steht vor der Verpflegungsstelle eine Frau, die alle Teilnehmer mit flotten Sprüchen aufmuntert. Ja, diese Animateurqualitäten brauchen wir jetzt, um uns von dem Gedanken abzulenken, warum wir nicht vorhin bei der Eng einfach aus dem Rennen ausgestiegen sind. Danke, Du bist unbezahlbar!
Das Gewitter wird stärker. Mist! Vor Blitzschlag habe ich einen Mordsrespekt.
Ein nur mit kurzer Hose und kurzem Laufshirt bekleideter Mann überholt uns. Mein Gott, in den Klamotten wäre ich jetzt sicher stocksteif gefroren! Wie ich später erfahre wurden an der Eng zu spärlich bekleidete Teilnehmer aus dem Rennen genommen, aber dieser kam wohl unbeachtet durch.
Leider sehen wir nach wie vor nichts von den Bergen um uns herum. Ich muss den Karwendelmarsch 2011 als rein sportliches Abenteuer betrachten. Sportlich allerdings nur im Sinne der Bewegung, denn für eine brauchbare Platzierung habe ich zu viel Zeit beim Unterstehen vertrödelt und bin anfangs zu langsam gelaufen in der Hoffnung, dass später doch noch die Wolken auflockern und gute Fotos zulassen.
Wir verlassen den Fahrweg und steigen auf einem steilen, sehr anstrengenden Pfad bergauf. Sind wir endlich bald oben? Ein Helfer am Streckenrand meint: „Nur noch eine halbe Stunde.“ So etwas klingt bei den heutigen Bedingungen nicht gerade aufmunternd.
Regen, Gewitter was fehlt nun noch zu unserem Glück? Ach ja, es könnte noch Hageln oder Schneien! Und schon geht es los. Kurz nach den ersten Hagelkörnern bedeckt weißer Schneegraupel die Pflanzen rechts und links von unserem Pfad. Das Gewitter ist inzwischen auch sehr beunruhigend näher gekommen. Was hat Petrus in diesem Sommer gegen mich? Beim Zermatt Ultra Graupel am Gornergrat, Regen und Kälte im Chiemgau, und jetzt das hier!
Während des Aufstiegs sehen wir den Pass nicht. Dann taucht im Nebel doch ein Grat über uns auf. Noch so weit hinauf? Doch dann hören wir durch die Bäume vor uns eine Stimme: „Nur noch 50 Meter. Ihr habt es gleich geschafft.“
Tatsächlich öffnet sich bei Gramai Hochleger (1.756 m) plötzlich vor uns der Blick hinab auf einen baumlosen Hang. Schneegraupel bedeckt inzwischen den gesamten Boden, aber zum Glück ist zumindest noch der Pfad frei davon.
Karwendelmarsch 2011
Ich denke Wenn es weiterhin so schneit wird es hier oben in ein oder zwei Stunden für die letzten Läufer und die Wanderer sehr ungemütlich , doch wie ich später erfahre sieht dies der Veranstalter ebenso und bricht um 14 Uhr die Veranstaltung an der Eng ab.
Zuerst geht es nur mäßig steil abwärts, dann aber wirklich steil hinab. Wir laufen schneller, als es vernünftig wäre, denn wir wollen so schnell wie möglich aus der Kälte raus, unterhalb der Schneegrenze und weg vom Gewitter. Die Körner der Schneegraupel stechen uns vom Sturm angetrieben ins Gesicht.
Wir kommen an einem schönen Wasserfall vorbei, aber keiner bleibt zum Fotografieren stehen. An der Gramaialm (1.263 m) kippen wir schnell einen Tee in uns hinein. Aber ganz ehrlich: jetzt würde auch ein Glühwein passen. Wenn ich daran denke, wie ich schon manches Mal bei 15 C oder wärmer auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein getrunken habe heute käme die passende Winterstimmung dazu. Und Bio-Lebkuchen wären auch ganz nett. Vielleicht starte ich hier nächstes Jahr mit der Nikolaus-Mütze vom Eisweinlauf. Aber nein, 2012 werden hier alle über Sonne und Hitze stöhnen.
Ich fotografiere nur noch selten, denn erstens erscheint es mir bei dem Regen ohnehin nicht mehr sinnvoll, zweitens kann ich mit den eisigen Händen kaum noch den Reisverschluss der Fototasche öffnen bzw. schließen, und drittens und vor allem will ich nun wirklich so schnell wie möglich diese Friererei hinter mich bringen und ans Ziel kommen.
Von den wenigen Fotos, die ich zwischen dem Pass und Pertisau knipse, lösche ich abends mit einer Ausnahme alle wieder.
Karwendelmarsch 2011
Durch dicke Wassertropfen aufgenommen könnte man mit diesen Karwendelbildern bestenfalls einen Wettbewerb surrealistischer Fotografie gewinnen. Schade, denn auch bei diesem Abstieg sowie auf den letzten Kilometern im Tal komme ich trotz der tiefen Wolkendecke an vielen schönen Fotomotiven vorbei.
Bei der Falzturn Alm (1.098 m) liegt der steile Abstieg hinter uns. Bernie und Wolfram bleiben eine Weile an der Verpflegungsstelle stehen, aber ich trinke nur wieder schnell einen Tee und muss sofort weiter. Sobald ich stehen bleibe schlottere ich wie ein Junkie auf Entzug.
Eigentlich will ich nur langsam laufen, damit die beiden mich gleich wieder einholen können, aber die Kälte treibt mich zu Vollgas. Erst nach einem Kilometer merke ich, dass ich denen wegrenne und drossle das Tempo. Bald holt Wolfram mich wieder ein. Bernie bleibt zurück.
Nun ist die Strecke eigentlich so leicht wie jeder durchschnittliche Volkslauf. Kilometerweit nur minimales Gefälle auf breiten Wegen wäre normalerweise ein angenehmes Finale. Doch nach wie vor schüttet es aus allen Kübeln, und manche Wege über Wiesen erinnern eher an Wassertretstellen. Ich habe zwar schon seit Stunden nasse Füße, aber die Planscherei ergänzt das Karwendel-Rain-Adventure um einen neuen Spaßfaktor.
Obwohl ich bei jedem Schritt diese Kältetour verfluche, hat es natürlich auch einen besonderen Erlebnisreiz, solchen Witterungsbedingungen zu trotzen. Unterwegs flehe ich nur Ich will endlich ans Ziel kommen! , aber während ich diese Zeilen schreibe denke ich schon wieder aber irgendwie war es doch geil!
Kurz vor Pertisau folgt ein langer Asphaltweg durch den Wald, und zuletzt dürfen wir erfahren, wie lange man noch durch den Ort laufen muss, bis das Ziel endlich in Sicht kommt.
Endlich! Nach knapp über acht Stunden laufen Wolfram und ich gemeinsam über die Linie.
Die Finisher-Medaille dieses Kaltduscher-Ultramarathons haben wir uns heute buchstäblich nicht verdient sondern erfroren.
Direkt an der Ziellinie werden alle Läuferin Wärmeschutzfolie gewickelt.
Karwendelmarsch 2011
Wolfram verabschiedet sich und geht direkt hinüber zu seinem Hotel, wo er fünf Minuten später unter der heißen Dusche und anschließend in der Sauna für normale Körpertemperatur sorgen kann.
Ich dagegen versuche, zwar im Trockenen, aber dennoch in der Kälte, bei der Zielverpflegung ein alkoholfreies Bier zu trinken und ein Wurstbrot zu essen. Absolut unmöglich! Schade, dass dies niemand mit der Kamera aufgenommen hat. Das wäre ein Knaller auf YouTube geworden! Ich wusste bisher noch nicht, dass ich so sehr zittern kann.
Meine Hände zittern so sehr, dass ich es kaum schaffe den Mund zu treffen und mit meinen ebenfalls stark klappernden Zähnen ein Stück vom Brot abzubeißen.
Ich gebe auf und gehe nebenan in die Halle, wo wir unsere Taschen mit den trockenen Klamotten und den Finisherbeutel bekommen. Statt dem hundertsten Finisher-Shirt liegt in dem Beutel u.a. eine Sigg-Flasche mit Karwendelmarsch-Logo.
Auch in der Halle ist es sehr kalt. Schuhe aufbinden mit extrem zitternden Händen zählt auch zu den Erfahrungen, an die ich mich vermutlich noch als Rentner erinnere. Doch irgendwann stecke ich endlich in trockenen Sachen, gewinne mit Mühe den Kampf mit Brot und Bier und begebe mich sofort zum gut geheizten Bus, der mich nach Scharnitz zurück bringt.
Ich bedauere die Leute, die im Zielgelände leider unter freiem Himmel an Verpflegungsstellen statt den üblichen Würsten wirklich leckere regionale Gerichte anbieten wollten und nun witterungsbedingt vergeblich frieren. Auf der Rückfahrt sitzen wir meist schweigend im Bus. Kein Vergleich zum fröhlichen Beisammensein nach anderen Läufen. Jetzt will sich wohl jeder von uns nur ausruhen.
Obwohl der Karwendelmarsch fast nur halb so viele Kilometer und Höhenmeter hat wie der Chiemgau 100 bin ich heute viel erschöpfter als vor vier Wochen. Der Körper hat vermutlich mehr Energie zum Wärme erzeugen als zur eigentlichen Fortbewegung verbraucht.
Während der Rückfahrt lockern die Wolken über uns immer mehr auf, wir sehen von Neuschnee bedeckte Berge, und als wir um 17 Uhr nach Scharnitz zurück kommen sehe ich einige Karwendelgipfel und groß Flecke mit blauem Himmel. Gegen 20 Uhr ist es sogar fast wolkenlos. Wäre das Unwetter nur ein paar Stunden früher oder später vorbeigezogen hätte ich endlich zeigen können, wie großartig schön diese Strecke ist. So bleibt nur der Vorsatz, noch ein drittes Mal hier zu starten. Dann hängt kein einziges Wölkchen am Berg, versprochen! "Karwendelmarsch - jetzt erst recht!"
Wie ich später erfahre haben die Veranstalter richtig reagiert und um 14 Uhr das Rennen in der Eng abgebrochen. Damit die unverschuldet am Beenden der 52 km gehinderten Läufer nicht als DNF in der Ergebnisliste stehen müssen wurde nachträglich auch eine 35 km Wertung für die Läufer eingeführt. Der Abbruch des Rennens war eine notwendige, aber sicher nicht leichte Entscheidung, zumal es bei dieser Strecke zu enormen logistischen Problemen führt. Da zwischen Start und Ziel ein nicht auf direkter Linie mit dem Auto bzw. Bus erreichbares Gebirge liegt mussten einige Busse, die in Pertisau auf die Läuferwarteten, mit großen Umwegen zur Eng fahren. Zusätzlich wurden ein paar private Minibusse eingesetzt, doch aufgrund der langen Fahrzeiten dauerte es natürlich doch sehr lange, bis endlich alle Finisher einen Platz bekamen. Erschwerend kam hinzu, dass ein Teil der Finisher von der Eng zurück nach Scharnitz mussten, einige andere aber nach Pertisau. Die Beutel mit der trockenen Kleidung lagen natürlich auch in Pertisau, so dass man in nassen Klamotten auf den Bus warten musste. Da ein Teil der Teilnehmer nun aber bereits zwischen Eng und Pertisau unterwegs war konnte man ja nicht einfach alle Taschen von dort zur Eng transportieren. Die Mehrheit der Teilnehmer akzeptierte diesen Umstand, der nur wirklich nichts mit der Fähigkeit der Veranstalter zu tun hat. Nur ein paar typisch deutsche Piefkes lieferten sich einen Kampf um die Fahrgelegenheiten und meckerten an allem herum.
Annette kam erst gegen 19 Uhr, also zwei Stunden nach mir, zurück nach Scharnitz. Dennoch ist auch sie nun sicher, dass sie nächstes Mal statt 35 km wandern die kompletten 52 km laufen will, dann aber bei Sonnenschein.

Und nun folgen zum Schluss wie versprochen noch ein paar Fotos, die zeigen, wie schön es hier am Freitag, Sonntag und Montag war. Ich kombiniere fast jede Teilnahme an einem Marathon oder Ultramarathon mit einigen Urlaubstagen in der betreffenden Region. Von Scharnitz (aber auch von Pertisau am anderen Ende der Strecke) aus gibt es viele schöne Touren, die das Naturerlebnis Karwendelmarsch abrunden.
Am Sonntagmorgen, also am Tag nach dem Regenmarsch, fuhren wir mit der Bahn zum Seefelder Joch und spazierten zur Seefelder Spitze (2220 m). Anfangs lagen Seefeld und das Inntal noch unter einer dünnen Nebelschicht, aber zwei Stunden später löste sich der Nebel komplett auf. Obwohl oben noch der Schnee von gestern lag war es warm genug, um stundenlang in der Sonne zu sitzen und den weiten Rundblick ins Karwendelgebirge, zur Reither Spitze, hinüber zum Wettersteingebirge mit der Zugspitze und auf die andere Seite des Inntals zu genießen. Anschließend spazierten wir unten in Seefeld um den Wildsee.
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Am Montag wanderten wir von Scharnitz aus zur Gleirschklamm und vorbei an der Kristenalm zum Solsteinhaus.
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Karwendelmarsch 2011
Und am Tag vor dem Karwendelmarsch fuhren wir von Mittenwald mit der Karwendelbahn hinauf.
Karwendelmarsch 2011
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