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Bassa Via del Garda-Trail am 28.03.2015 - Atemberaubender Trail am Gardasee - Laufbericht von Thomas Eller

73,5 Kilometer und 4.300 Höhenmeter

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Gardaseetrail 2015

„Hochseilgarten“  beim Gardasee Trail 2015

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BVG-Trail am 28.03.2015

Wenn ich hier über den BVG-Trail schreiben darf, über den „Bassa Via del Garda“-Trail , dann muss ich erst einmal ins Schwärmen geraten. Weil der BVG-Trail nämlich am Gardasee liegt, in Südtirol, im „Alto Adige“, wie die Italiener dazu sagen. Und der Gardasee ist ein ganz besonderer See.
Nicht nur, weil er der größte und wahrscheinlich der schönste der vielen italienischen Seen ist, im Norden an die Alpen und im Süden an die Po-Ebene grenzend, sondern auch, weil er der vielleicht deutscheste dieser Seen ist.

Gardaseetrail 2015

Als ich noch in Oberbayern zur Schule ging, da fuhren alle Mitschüler immer mit den Eltern regelmäßig an den Gardasee zum Windsurfen – nur ich durfte nie mit.
Ich musste also fast 30 Jahre alt werden, bis ich mich in dieses Idyll verlieben durfte, in die 51,9 Kilometer, die der See misst.
Die bekannteste Stadt am See ist dabei wahrscheinlich Sirmione im Süden, die Stadt, die auf die in den See ragende Halbinsel gebaut ist. Gleich danach aber kommt wohl die Stadt Riva del Garda im Norden, aber auch Limone Sul Garda, Saló und Gargnano auf der westlichen, der lombardischen Seeseite, haben einen Klang, der Wanderfreunde aus der ganzen Welt in Verzückung geraten lässt.
Mountainbiker haben dieses Gebiet seit Jahren als ideales Trainingsgebiet entdeckt, aber Trailrunner sollten bislang eher wenig Glück mit Veranstaltungen haben, dachte ich.
Bis ich vom BVG-Trail las.
 

Gardaseetrail 2015

Bei der Startnummernausgabe

Gardaseetrail 2015

Ein Traillauf am Gardasee! Darauf hatte ich gewartet. Und so konnte ich es gar nicht erwarten, mich dafür anzumelden. Natürlich nicht für die 27 Kilometer des BVG Runs von Saló nach Gargnano (1.000 HM) und auch nicht für die erweiterten BVG Marathon von Gargnano nach Limone (3.300 HM), von dem ich heute weiß, dass diese Herausforderung durchaus ausreichend gewesen wäre, sondern für den 73,5 Kilometer langen BVG Trail ab Saló nach Limone (4.300 HM). Natürlich, für weniger wollte ich meine Laufklamotten nicht schmutzig machen.

Gardaseetrail 2015

Nudeln bei der Nudelparty

Wer schon einmal am Gardasee war, der weiß, dass im Westen, dort, wo der BVG-Trail stattfindet, die Seestraße meist als zum See hin geöffnete Tunnel in die Berge gehauen ist, dass die Berge schroff und supersteil sind und dass man, wenn man eben nicht diese Straße läuft, zwangsläufig steil rauf und auch wieder steil runter muss. 4.300 HM auf diese Distanz ist mehr als das, was der UTMB in dieser Beziehung zu bieten hat. Es würde also nicht leicht werden, das war mir klar.
Auch hatte mich Thomas Schmidtkonz, der Herausgeber dieses Laufportals, vor der Schwere des Lauf und den Zeitlimits gewarnt, aber ich wusste natürlich wieder alles besser.

Gardaseetrail 2015

Gruppenfoto vor dem Start

Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht vor und nach dem Lauf stieß ich auf Gian vom Hotel Garni Riviera in Gargnano. Gian ist auch Mitglied des Organisationsteams des BVG-Trails und er betreibt dieses zuckersüße Hotel Garni direkt am Gardasee. Nur vielleicht zwanzig Schritte neben der Startnummernausgabe gelegen und auch fast direkt neben der Haltestelle des Busses, der uns am Lauftag zum Start nach Saló gebracht hat, kümmerte er sich stets liebevoll um meine Anmeldung, sowohl zum Event selbst als auch zur Nächtigung.
Und er begrüßte mich wie einen alten Freund, ach ja, wir waren ja in Italien.

Am Tag vor dem Start gab es bereits die Startunterlagen und das Startersackerl, in dem sich neben einem schönen Laufshirt auch ein großes Stück Käse befand. Auf die Pastaparty verzichteten mein Laufpartner Thorsten und ich jedoch, um uns in einer Trattoria mit Penne Arrabiata verwöhnen zu lassen.

Soweit zur Vorrede, ab auf den Trail. Ab zum frühen Frühstück um 5.30 Uhr, zum Bus um 6.00 Uhr, zum Start nach Saló, zu Fotos mit anderen deutschen Läufern, die natürlich alle schneller waren als ich und dann um 7.30 Uhr ab auf die Strecke.
Unter uns Läufern wurde schon mit der voraussichtlichen Zielzeit kokettiert. Die 23.30 Uhr Zielschluss wollte niemand erwähnen, 22 Uhr war die am häufigsten genannte Zeit, auch von mir.
Klar, erfahrene Hasen nennen eher eine etwas schlechtere Zeit, dann sieht man bei einem früheren Finish einfach besser aus.

Gardaseetrail 2015

In Saló kurz nach dem Start

Saló ist ein nettes Städtchen, italienisch-mediterran halt, das Laufen macht Spaß und schon nach wenigen Kilometern kommt der erste nennenswerte Berg. 500 HM nach oben – und das ging so leicht. Und dann ging es breit und einfach weiter, fast schon bequem und eine längere Straßenetappe verleitete mich schon zu dem Gedanken, dass ich diesen Lauf wohl doch überschätzt habe. Ich genoss die schönen Häuser, die Aussicht auf die Dörfer am See, auf den Gardasee und die Sonne, die wunderbar am Himmel stand.

Gardaseetrail 2015

Nach dem Erreichen von Gargnano und kurz vor unserem Hotel Garni Riviera holte ich sogar Thorsten ein, ich fühlte mich gut und nur 3 ½ Stunden für diese knapp 30 Kilometer machten mir Hoffnung, vielleicht doch sogar vor 20 Uhr im Ziel zu sein.
Lieber Leser, ich sage Dir: ein Marathon beginnt bei Kilometer 30 und der BVG Trail beginnt auch erst dort.

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Ab jetzt war es Singletrail pur und die folgenden 1.000 HM rauf zum Rifugio Alpini forderten mich sehr. Ich musste Thorsten ziehen lassen und ich gönnte mir die ersten Krämpfe. Die Oberschenkel, die Innenseiten der Oberschenkel über dem Knie, irgendetwas krampfte immer.
Das fantastische Wetter, der ständige Wind und mein Verzicht auf Salztabletten, all das zusammen bewirkte wohl, dass ich schon so früh Probleme bekam und ich fragte mich, wie ich es wohl früher mal geschafft hatte, ein Ding wie den UTMB zu stemmen.

Gardaseetrail 2015 Gardaseetrail 2015

Am Rifugio Alpini angekommen kam eine Passage, die ich den „Hochseilgarten“ nannte. Die Italiener nennen diese Passage „Sentèr del Luf“. Ich bin bestimmt kein ängstlicher Läufer, aber diese Passage war von so vielen Sicherungsseilen garniert, dass mir ganz anders wurde. Vor allem wurde ich enorm langsam.
Und wenn die Beine vorher immer wieder krampften, dann wurde es nun so schlimm, dass ich schon daran dachte, dass ich die Herausforderung BVG-Trail wohl nicht würde stemmen können. Phasenweise musste ich sogar stehen bleiben, bis die Zuckungen in den Beinen aufhörten, unglaublich und vollkommen unbekannt für mich.
Von da an schüttete ich so viel Magnesium in mich hinein, bis ich die Krämpfe kontrollieren konnte und später verschwanden sie sogar gelegentlich, wenn ich brav unterhalb der Krampfgrenze lief. Nur bergauf erinnerten mich meine Oberschenkel daran, dass da etwas nicht in Ordnung war.

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Vollkommen in Ordnung waren und für mich ewig im Gedächtnis bleiben werden die wunderschönen Blicke auf und über den Gardasee, die Zypressen, die in dunklem Grün einen harten Kontrast zum strahlenden Blau des Himmels boten, die italienischen Häuser in ihrem Ocker oder in altrosa, mit oder ohne Verzierungen, die Freundlichkeit der Italiener, die alle begeistert waren, dass so viele Läufer ihren schönen Trail belaufen.
Und seitens der Organisation bleibt natürlich in Erinnerung, wie viele Helfer vor Ort waren, an den Verpflegungspunkten, an allen wichtigen Abbiegungen, im „Hochseilgarten“ und an allen gefährlichen Streckenabschnitten.

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Vier weitere Anstiege waren zu bewältigen, hinauf bis wieder knapp auf 1.000 Meter über N.N. und so ein Anstieg zieht sich unglaublich in die Länge, wenn die Muskeln nicht mehr mitspielen wollen. Aber das hindert Dich nicht, beispielsweise die unglaublich schöne, faszinierende, die tief eingeschnittene Felsschlucht Torrente San Michele zu bewundern.
Mit einem Mal sind die Schmerzen weg, die Laune ist wieder da und Du schickst ein Stoßgebet gen Himmel, dass es Dir vergönnt war, diesen Trail laufen zu dürfen.

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Du rennst über die Brücke, die diese Schlucht überspannt und Du schaust nach rechts runter in die Schlucht. Dieser Blick ist so schön, die Schlucht so eng, der Einschnitt so tief … wahrlich ein Traum, den ich unbedingt noch einmal erleben muss, genau wie den Blick auf den Gardasee und die Berge gegenüber, die ganz oben noch schneebedeckt sind.
Sonne, Schnee, Hitze, See, Zypressen, bunte Häuser, technisch schwierig zu laufende Trails – Läuferherz, was willst Du mehr?

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015


Beim vorletzten offiziellen Verpflegungspunkt ließ ich mir von einer besonders lieben Rot-Kreuz-Helferin die rechte Achillessehne abtapen, die Schmerzen dort wurden immer größer. Und ich sah Thorsten wieder, der gerade den VP verlassen wollte, als ich kam. Ich war so langsam geworden und dennoch habe ich ihn fast wieder eingeholt. Ein kurzes Gespräch über die Zielzeit, ich schätzte sie auf 21 Uhr bis 21.30 Uhr, er dachte, wir wären eine Stunde früher drin. Und weg war er.

Gardaseetrail 2015 Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Weg waren dann auch meine Fizan Trainer - Laufstöcke, die ich neben dem Rot-Kreuz-Wagen stehen ließ. Noch zwei weitere Anstiege. Ohne Stöcke. Und meine Angst, dass die Krämpfe wieder kommen würden und ich diese Anstiege nicht mehr schaffen würde.
Und der letzte Anstieg auf eine Doppelspitze war ein Finale nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“. Es ging lange und steil hoch auf den Monte Bestone und dann ging es so steil hinab, dass ich dachte, mir platzen gleich die Oberschenkel. Auch hier waren wieder Helfer des Orga-Teams vor Ort, zudem wurde der Abstieg sicherheitshalber durch Lampen beleuchtet, die von Generatoren gespeist wurden, deren Brummen man deutlich vernehmen konnte.

Gardaseetrail 2015

Ich hatte mir und meiner Frau versprochen, kein Risiko einzugehen, zudem hatte ich noch ausreichend Zeit, zumindest um 22 Uhr, meinem eigentlichen Zeitziel, in Limone einzutreffen.
Ich schnappte mir bei jedem Schritt abwärts jeden Ast, jedes Bäumchen, um einigermaßen sicher runter zu kommen. Aber das dauerte. Und es zog sich.
Später dann konnte ich noch etwas an Geschwindigkeit zulegen, nun überholte mich niemand mehr, auch nicht die Marathonis, die ja etwa eine Stunde nach uns in Gargnano gestartet waren und deren schnellste Läufer mich immer so zügig überholten, dass ich dachte, hier träfe eine Bimmelbahn auf einen ICE.

Gardaseetrail 2015

Gardaseetrail 2015

Und dann, die erleuchtete Stadt Limone und den Zieleinlauf vor Augen, einen durch Beton befestigten Weg unter den Füßen, konnte ich sogar noch ein Dutzend Läufer überholen.
22 Uhr war längst vorbei, 22.15 Uhr ebenfalls. Die 2.15 Stunden, die man uns Läufern vom letzten Cut-Off bis zum Ziel gegeben hat, waren für mich nicht machbar und ganz sicher für viele andere auch nicht. Und dann, ganz unten am Wasser, war noch immer nicht Schluss. Noch immer ging es am See entlang, nun aber auf lockerem Kies, laufen ging nicht mehr, wieder gehen, dann ging es wieder vom See weg, einen Berg hinauf, laufend, am Stadion vorbei nach links, ins Stadion rein, die Tartanbahn entlang Richtung Zielbogen.
Noch ein Lächeln aufsetzen, die linke Hand nach oben und locker eintraben. Es war 22.21 Uhr gewesen, 69 Minuten vor dem offiziellen Cut-Off, immerhin.

Im Ziel winkte mir Thorsten, der zehn Kilometer vor dem Ziel aufgeben musste, seine Krämpfe waren zu stark und seine Sorge vor dem letzten Anstieg und dem brutalen Abstieg war übermächtig gewesen.
Die 14 Stunden und 49 Minuten bedeuteten Platz 108 bei den Herren, Platz 123 von allen, immerhin. 30 weitere Läufer erreichten nach mir das Ziel noch innerhalb der offiziellen Cut-Off Zeit, vier weitere wurden trotz eines späteren Zieleinlaufs noch gewertet, der letzte mit über 17 Stunden Laufzeit, also mit mehr als 60 Minuten über dem Cut-Off.
38 Läufer kamen gar nicht an, aber ich bin mir sicher, dass diese Läufer dennoch diesen Trail und diese grandiosen Aussichten genossen haben.

Der BVG-Trail ist für all die Läufer gemacht, die gerne technisch schwierige Trails laufen, die dabei auch etwas sehen wollen.
Und mein Fazit des Laufs ist, dass ich nie wieder einen Trail nach einem relativ harmlosen Drittel vorschnell unterschätzen will. Fazit ist aber auch, dass mir diese Liebe zum Detail, mit dem das Orga-Team gearbeitet hat, fehlen wird. Und dass ich diesem Orga-Team richtig gerne zu Dank verpflichtet bin.

Und der Tag nach dem Lauf war schon der erste Tag von 365, den ich abzählen werde, bis ich 2016 erneut meine Füße auf diesen Trail setzen werde, auf diese 73,5 schönen Kilometer oder vielleicht sogar auf die möglichen 100 Kilometer, von denen mancher Offizielle träumt, weil der „Bassa Via del Garda“-Trail ja eigentlich von Saló nach Riva del Garda und dann von Torbole nach Torri del Benaco führt.
In Limone muss also wahrlich noch nicht Schluss sein, oder?

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