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Trans Gran Canaria vom 04. - 06.03.2016 - a goal a dream - Laufbericht von Thomas Eller

Bilder von Thomas Eller und Thorsten Klenke

125 km und 8000 Höhenmeter

E-Mail an Thomas

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Trans Gran Canaria 2016

Roque Nublo beim Trans Gran Canaria 2016

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Trans Gran Canaria 2016 – a goal a dream!

Was für ein Lauf auf der Zauberinsel. Harte Fakten zu Hauf.
125 Kilometer lang (wir maßen 129 Kilometer), 8.000 Höhenmeter im Aufstieg (wir maßen 6.700 Höhenmeter), 30 Stunden maximales Zeitlimit, 265 DNF, 518 Finisher mit dem deutschen Magnus Hagen als letztem, der es in die Wertung geschafft hat.

Trans Gran Canaria 2016

Sandstrand auf Gran Canaria

Gregor Endl als bester von 19 deutschen Finishern mit 18:12:52 Stunden auf Platz 54, mehr als 4 ½ Stunden hinter dem Sieger. Mir wird niemals einleuchten, wie ein Mensch einen solchen Kurs in unter 14 Stunden bewältigen kann …

Aber wen interessieren „harte Fakten“? Wenn ich den Trans Gran Canaria beschreiben soll, dann geht das nicht, ohne ein Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl, auf einer der vielleicht schönsten Inseln der Welt laufen zu dürfen. Gran Canaria besticht nicht nur durch die Topografie, es geht rauf und runter, was auch dem erloschenen Vulkan „Pico de las Niéves“ geschuldet ist, sondern auch durch die größte Dünenlandschaft Europas.

Trans Gran Canaria vom 01. - 02.03.2014

TOM am Roque Nublo beim TGC 2014

Der „Roque Nublo“ ist das Wahrzeichen, natürlich läuft man beim TGC dort hin und auf den Riesenstein zu, zudem ist Gran Canaria ein Miniaturkontinent mit immerhin 14 Mikroklimazonen. Gran Canaria hat einen Durchmesser von rund 50 Kilometern, dort einen Lauf mit 125 Kilometern auszurichten, bedeutet, dass man definitiv nicht den kürzesten Weg von einer Inselseite zur anderen wählen darf.
Die Inselmitte alleine ist jeden Schritt und jeden Blick wert und die Städtchen, die durchlaufen werden, sind teilweise wunderschön. Und wenn dann der Verpflegungspunkt an der schönsten Stelle im Ort aufgebaut ist, dann sind diese Verpflegungs-Oasen Balsam auf die Seelen der Läufer.

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Für mich war der Trans Gran Canaria der vierte Start auf der Insel. Und jedes Mal war die Strecke anders. Du stehst irgendwann am Freitagabend am Ziel an der Expo in Maspalomas und wartest, im Bus zum Start in der bezaubernden Stadt Agaethe gebracht zu werden. Zum Hafen dort, zum „Finger Gottes“ („Dedo de Dios“), der aber leider am 29. November 2005 vom Tropensturm Delta teilweise abgerissen wurde.
Schon beim Warten gesellst Du Dich zu den Deinen in der Ultrafamilie. Es wird gequatscht und sich gegenseitig Mut zugesprochen. Später dann, wenn Du auf den eigentlichen Start um 23.00 Uhr wartest, steigt sukzessive die Nervosität, sodass Du die Schönheit des Städtchens Agaethe gar nicht richtig wahrnehmen kannst. Ich hatte das immer erst nach dem Lauf bei Tag nachgeholt.
An Pflichtausrüstung gibt es nicht allzu viel, Du bist aber gut beraten, Handschuhe, eine warme Mütze und einen Windbreaker dabei zu haben.
So warm es am Tag vor allem an der südlichen Küste ist, bei Nacht und in der Inselmitte auf über 1.500 Metern über N.N. kann es, wenn es neblig ist, wenn es stark windet, sehr, sehr kalt sein.

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016


1.200 Meter geht es gleich mal stramm nach oben. Und mit der ersten Etappe kommt auch gleich der erste Cut-Off, der unbedingt zu schaffen ist. Trödeln, das verrate ich Dir gerne, geht gar nicht. Nicht beim Aufstieg und schon gar nicht beim steilen und technisch schwierigen Abstieg danach.
Tamadaba, Tirma, es geht rauf und runter und kurz vor dem VP in Artenara war es so bitter kalt, dass ich nicht wirklich wusste, wie wir die Zeit bis zum Sonnenaufgang überstehen sollten.
Ich lief erst mit einer kleinen Gruppe enger Freunde und wechselte nach dem zweiten VP den Laufpartner, weil er meine Mängel an diesem Wochenende kompensiert hat.
Mein Licht war nahezu ausgefallen, meine Zuversicht, den Lauf beenden zu können, war äußerst gering und ich wusste noch nicht, wie ich nach dem Finish zum Flughafen kommen sollte. Wer ist denn auch so doof, sich einen Rückflug um 7.55 Uhr zu buchen, wenn die Zielschlusszeit um 5.00 Uhr ist? Aber unser „Deal“, uns gemeinsam über die Strecke zu bringen, hat mich gerettet – in jeder Hinsicht.

Schon kurz nach Artenara wurde es hell und damit auch wärmer. Unser Zeitpolster auf den Cut-Off schwankte von 45 Minuten über knapp eine Stunde, wieder runter auf 30 Minuten. An manchen Etappen konnten wir sogar 45 Minuten zusätzlich auf unser „Zeitsparbuch“ einzahlen, dass das notwendig war, sei Dir gesagt. Oder anders formuliert: wer sich immer am Cut-Off orientiert, der wird die DropBag-Station in Garanon nicht im Zeitlimit erreichen.

Fontanales, Valleseco, Teror, die schöne Stadt. Hier trafen wir viele Begleiter, die auf ihre Heldinnen und Helden warteten, um sie zu motivieren. Zeitlimit dort: 13.00 Uhr, also 14 Stunden Laufzeit für 56,2 Kilometer. Klingt viel, ist es aber wahrlich nicht.
Der VP in Teror ist einer der schönsten VPs überhaupt. Romantisch vor einer wunderschönen kanarischen Kathedrale gelegen, direkt auf dem Marktplatz, in der Sonne, ist das Eintreffen dort so etwas wie eine vorweggenommene Belohnung.
Andererseits muss man auch einräumen, dass der Lauf jetzt eigentlich erst los geht. Treppen und Stufen, steil bergauf, lang und weit bergauf, Hitze, Sonne, wenn Du in Talayon bist, dann weißt Du, was Du getan hast. Und Du musst von 1.241 Metern noch auf 1.050 Meter Höhe runter, nach Tejeda. Auf 8,4 Kilometer. Wenn da nur nicht der Berg vor Tejeda wäre, den Du erst heftig rauf und dann stramm runter musst. Unser Zeitpolster war nun auf 75 Minuten angewachsen.
Von Tejeda an bin ich die Strecke wenige Tage zuvor mit dem drittbesten Deutschen, mit Michael Vanicek und Jan Prohaska, einer der vielen DNFs, bereits gelaufen, da kenne ich jeden Stein.

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016


Wieder geht es steil rauf zum „Roque Nublo“, dem vielleicht schönsten Punkt der Reise und von dort geht es wieder runter nach Garanon, wo die DropBags und Nudeln auf die Läufer warten. Warten tun dort aber auch all diejenigen, die, aus welchem Grund auch immer, einen DNF erleiden mussten und nach Garanon gekarrt wurden, von wo aus sie gesammelt mit dem Bus zum Ziel transportiert wurden.
Drei Stunden Zeit geben Dir die Veranstalter für die Strecke von Tejeda nach Garanon, immerhin fast 11 Kilometer lang. Und Du musst ja in Garanon schon wegen des DropBags und der Nahrungsaufnahme viel Zeit für Dich selbst einplanen. Was für ein Glück also, dass wir doch ein so ordentliches Zeitpolster hatten. Nach dem Verlassen von Garanon war es auf bescheidene 10 Minuten zusammengeschrumpft.

Dann führt Dich der Weg rauf zum höchsten Berg der Insel, zum „Pico de las Nieves“, zur „Schneespitze“, dorthin, wo die kanarischen Einwohner in der Zeit, in der es noch keine Kühlschränke gab, kreisrunde Löcher gegraben und gemauert haben, um sie mit verdichtetem Schnee zu füllen, der ihnen über Monate die Möglichkeit gab, ihre Lebensmittel kühl zu halten.
Wenn ich mich bisher immer gefragt habe, ob der Name „Schneespitze“ nicht vielleicht doch etwas übertrieben wäre, wurden wir heuer vom Gegenteil überzeugt. Ein Schneesturm gut zwei Wochen vor dem Laufevent sorgte für gut 30 Zentimeter Schnee. Auch wenn dieser bis zum Event komplett weg geschmolzen war, so grün und so nass habe ich diese wunderschöne Insel noch nie erlebt.

Wenn Du da oben stehst, auf dem „Pico“ oder am „Roque“, dann erlebst Du die ganze Schönheit der Insel, die wilden und zerklüfteten Täler, die Berge, die Stausseen und, als Zugabe gewissermaßen, den Blick auf den höchsten Berg Spaniens, auf den Teide auf Teneriffa. Diesen Blick kann Dir niemand mehr nehmen und die Erinnerung daran wird Dich auch nie wieder loslassen.

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016 Trans Gran Canaria 2016


Von nun ab geht es tendenziell nur noch abwärts, aber den nächsten Cut-Off in der zauberhaften Stadt Tunte / St. Bartholomä um 22 Uhr zu erreichen, das bedeutet, dass Du die wohl schönste Laufstrecke der Insel, die Serpentinen bis Cruz Grande, ziemlich zügig nehmen musst. 35 Minuten war unser Polster dann, als es nach Tunte weiter ging Richtung Ayagaures. Tendenziell runter bedeutet aber nicht, dass Du nicht noch einmal 400 Höhenmeter nach oben musst, dafür aber ist der Abstieg recht moderat, nicht so wie in den Vorjahren, wo eine Prüfung auf die Läufer zukam, die viele Teilnehmer erschreckt hat.
Dafür aber wurden die Läufer mit einem ausgetrockneten Flussbett erschreckt, dass jede Planung Deiner Zielzeit ad absurdum geführt hat.
Stelle Dir vor, dass in diesem Flussbett nahezu alle Steine dieser Welt versammelt herum lagen. Und kein Stein war fest. Du wackelst also nach rechts, nach links, mal gar nicht und mal in alle Richtungen. Bei jedem Schritt, bei jedem Stein.
Du bist müde, kaputt, unkonzentriert und schwach auf den Beinen – und dann so etwas? Ich finde, das wäre nicht notwendig gewesen, aber was soll alles Lamentieren?
Wer die Finisherweste haben will, der muss da durch. Oder besser: drüber. Beim Downhill, im Flussbett und danach hat und fast niemand mehr überholt, wir aber ließen doch etliche Menschen wie Slalomstangen stehen.

Trans Gran Canaria 2016

Trans Gran Canaria 2016

Am härtesten dabei war der „japanische Steingarten“, aber nahezu jeder Meter Flussbett hatte es in sich. Und dann wechselten sich laufbare Passagen mit erneuten Flussquerungen ab und dann ging es irgendwann in den berühmten Kanal. Früher war das die Strafe, dieses Jahr aber war der Kanal Erlösung und die Chance, etwas zu beschleunigen. Das Kanalbett, komplett trocken, hat zwar auch viele Steine, die aber sind in Beton gefasst und fest.
Raus aus dem Kanal, eine Promenade entlang, in den letzten VP (Parque Sur), rein in den Kanal, raus aus dem Kanal, wieder eine Promenade, ein anderer Kanal und zum Schluss vielleicht zwei Kilometer Straße. Zeit, ein letztes Mal Gas zu geben.
Von der Straße runter, Richtung Expo und am Zielbogen vorbei und nach vielleicht 100 Metern folgt eine Biegung auf den Zielbogen zu. Was für ein Erlebnis!
Und dann bleibst Du nach der Ziellinie auf dem Fotopodest stehen, ein, zwei Aufnahmen und dann kommt der schönste Moment des gesamten Laufs: Du holst sie Dir.
Die Finisherweste, die 2016 ganz besonders schön war. Absolut tragbar.
Und Du fühlst, dass die letzten 28 Stunden und 37 Minuten zwar hart waren, aber auch wunderschön.
Und dann beginnst Du, an den Start im Jahr 2017 zu denken.
Gran Canaria, ich liebe Dich.
Trans Gran Canaria– a goal a dream!

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