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Bericht vom
Inferno Schilthorn - Halbmarathon am  18.8.2007 von Günter Kromer
Teil 2

E-Mail - an Günter

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Schilthorn - Halbmarathon 2007

Gratwanderung am Schilthorn beim Inferno Schilthorn - Halbmarathon 2007

 

 
Nur noch 8 km bis zum Ziel, doch das eigentliche Rennen beginnt erst jetzt. Die ersten 13 km forderten nicht mehr Anstrengung als die meisten anderen Landschaftsläufe, doch nun wird es steil. Sehr steil sogar! Hier kann im hinteren Teil des Feldes niemand mehr laufen. Alle gehen, schleppen sich mit Mühe den steilen Weg hinauf. Ich kannte das Streckenprofil, hatte Reportagen früherer Infernos gelesen, aber dass es so steil ist hätte ich nicht erwartet.
Bisher hatte ich auf diesem Lauf Glück mit dem Wetter, denn ich konnte die ganze Zeit fast wolkenlos die tolle Aussicht genießen. Doch nun hängt über mir am Hang eine lückenlose Wolkenschicht. Der Anblick vielen Läufer vor mir, die schon weit, weit über mir wie auf einer Ameisenstraße die Serpentinen in die nebelumwogte Höhe krabbeln, wirkt beunruhigend.
Gegen 12 Uhr löscht der Nebel die herrliche Aussicht aus. Später erfahre ich am Ziel, dass es meiner Freundin genau umgekehrt ging. Annette konnte aus beruflichen Gründen in diesem Jahr kein Berglauftraining machen, fuhr daher schon vor 8 Uhr mit der Bahn auf 1600 m und wanderte zum Gipfel, wo sie den Zieleinlauf der Sieger erleben wollte. Morgens lag die Strecke unterhalb 2200 m noch komplett im Nebel, aber dafür war gegen 12 Uhr, als die schnellen Läufer hinauf kamen, oben herrliche Fernsicht.

Schilthorn - Halbmarathon 2007

12 Uhr: Lauf in die Wolken

Schilthorn - Halbmarathon 2007

12 Uhr: Aussicht am Ziel auf dem Schilthorngipfel

Der Aufstieg scheint kein Ende zu nehmen. Inzwischen hat der Nebel die gesamte Umgebung verschluckt. Kein Panoramablick lenkt von der kräftezehrenden Steigung ab. Dann erreiche ich endlich die Schilthornhütte. Einen kurzen Moment lang reißt ein Stück des Nebels auf und ich sehe scheinbar unerreichbar weit vor mir das Drehrestaurant am Gipfel. Schon kann ich die Lautsprecherdurchsagen von oben hören. Die Sieger sind schon lange dort, aber für mich scheint das Ziel noch unerreichbar fern zu liegen.
Nun folgt ein Abschnitt, auf dem man endlich wieder fast normal laufen kann. Es kommt mir wie eine Erlösung vor, den steinigen Pfad entlangzueilen. Trotz noch immer relativ dichtem Läuferfeld gibt es auf dem engen Weg nie Probleme. Langsamere Läufer machen den schnelleren immer Platz, niemand bremst oder drängelt.
Allmählich nimmt die Steigung wieder zu, und nun spüre ich, dass meine Taktik heute nicht aufgehen wird. Da ich mehr Gebirgswanderer statt Bergläufer bin wollte ich vor allem im steilen Gelände Gas geben und möglichst viele Leute überholen. Doch vermutlich bin ich auf den ersten Kilometern zu viele Abschnitte gerannt. Nun fällt mir jeder Schritt enorm schwer.
In der Nähe der Bergbahnstation Birg liegt eine Messmatte für die Zwischenzeit. Schon liege ich einige Minuten hinter meiner Planung. Doch das Endergebnis ist mir inzwischen völlig egal, denn ich bin so erschöpft, dass ich keine Ahnung habe, wie ich überhaupt noch zum Ziel kommen kann. Zum ersten Mal bin ich bei einem Wettkampf nahe daran, mich einfach auf den Boden zu setzen und aufzugeben.
Noch einmal folgt ein kurzer, fast flacher Abschnitt. "Gut", denke ich mir. "Zumindest ein paar hundert Meter keine Quälerei!"
Ich versuche zu laufen, doch nach 100 m muss ich selbst auf ebenem Weg langsam gehen. Ein Trost ist nur, dass die anderen vor und hinter mir ebenfalls am Ende sind.
Kilometer 20 - normalerweise ein Grund zum Aufatmen, zum Jubeln, denn das Ziel ist nahe. Wer die Strecke nicht kennt freut sich aber zu früh, denn der härteste Teil liegt noch vor uns. 1 km mit etwa 300 Höhenmetern, das ist noch eine ordentliche Portion steiler als die bisherige Strecke. Nun führt der hervorragend markierte Weg so heftig die Felsen hinauf, dass man ab und zu die Hände zu Hilfe nehmen muss. Spätestens jetzt lohnt es sich, wenn man Trail-Schuhe statt welchen mit dünnen Sohlen hat. Vor mir läuft jemand barfuß! Ihn bewundere ich mindestens ebenso wie die Läufer, die eine Stunde schneller ans Ziel kommen und den Blinden, der mit einem Guide mal wenige Meter vor, mal hinter mir geht.

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Schilthorn und Schilthorntraverse

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Schuhe verloren?

Noch nie in meinem Leben war ich so erschöpft wie jetzt. Mit jedem Schritt scheint das Ziel noch unerreichbarer. Ein Schild kündigt an: ?500 m. Jetzt plage ich mich eine extrem steile Felstreppe hinauf. Statt auf den letzten 500 m wie geplant noch zehn Leute zu überholen lasse ich die anderen an mir vorbei. Ich gehe wie in Zeitlupe, als hätte jemand die Schwerkraft verdoppelt. So ähnlich fühlt sich Aquajogging an. Doch obwohl ich damit rechne, jeden Moment umzukippen und von den Sanitätern die letzten Meter zum Ziel getragen zu werden, bin ich unendlich froh, jetzt hier zu sein. Um keinen Preis würde ich auf dieses Erlebnis verzichten wollen, und ich bin mit jedem kraftlosen Schritt stärker überzeugt, irgendwann noch einmal beim Inferno zu starten.

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Die härtesten 500 m meines Lebens

Vor mir liegt ein schmaler Felsgrat, rechts und links von einem Zaun gesichert. Gerade reißt der Nebel ein Stück auf, so dass ich über mir wieder das Restaurant sehe. Plötzlich ragen sogar links ein paar wunderschöne Berggipfel über die Nebeldecke. Ich juble, fotografiere ... und würde am liebsten einfach nur stehenbleiben, die Aussicht genießen und den Aufstieg vergessen. Doch oben sehe ich meine Freundin stehen, die meine letzten Meter fotografieren will. Ich wanke voran. Jetzt darf ich auf keinen Fall umkippen. Die Felsen hinauf, dann ist vor mir eine weitere Treppe. Für manche sicherlich die Stairway to Heaven, für mich, der sich fühlt wie ein Zombie, eine Höllenstiege.

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Gratwanderung

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Rückblick zum Grat

Irgendwie schaffe ich es, auch diese Stufen zu bewältigen. Später meint Annette, ich hätte noch niemals so fertig ausgesehen. Nun noch ein paar Meter über die Terrasse laufen, dann durchs Ziel. Geschafft und überlebt! Trotz aller Erschöpfung bin ich überglücklich, denn es war ein großartiger Lauf.
Nun gibt es nochmals allen Grund, den Veranstaltern ein gewaltiges Lob auszusprechen: Am Ziel muss ich nicht nach meiner Tasche mit der warmen Kleidung suchen, denn diese wird mir schon wenige Meter hinter der Ziellinie von einem Ordner gereicht. Die Getränkeversorgung ist ebenfalls ideal geregelt, denn sie findet nicht im Freien sondern in einem warmen, windgeschützten Innenraum statt.

Schilthorn - Halbmarathon 2007

"Zombie" Günter auf der letzten Stufe

Obwohl es mein erster Wettkampf dieser Art ist, erreiche ich bei den Männern Platz 336 von 380 Klassieren. 3:54 - nur drei Minuten weniger als meine Marathonbestzeit aus Berlin. Als ich mit einem anderen Läufer rede sagt dieser, dass es ihm ebenso erging. Er kam zwar 20 Minuten vor mir ins Ziel, war aber auch nur 6 min schneller als in Berlin. Da auch die schnellsten Läufer zwischen 2:02 und 2:09 brauchten kann man den Berlin-Vergleich wohl pauschal sehen.

Annette und sich setzen uns anschließend noch einige Zeit in das aus einem James-Bond-Film bekannte Drehrestaurant, bis wir nach draußen gehen und neben der finalen Treppe den Zieleinlauf des Inferno-Triathlon Siegers erleben. Unglaublich: Nach über 9 Stunden, 3,1 km Schwimmen, 127 km und 3325 Höhenmetern auf dem Rad sowie einer vier Kilometer längeren Variante des Berglaufs kann Marc Pschebizin die Treppe noch hinaufrennen!

Schilthorn - Halbmarathon 2007

Der Triathlon Sieger auf der Stairway to Heaven

Beim nächsten Mal will ich diese Stufen auch so putzmunter schaffen wie er. Fest versprochen!
Zum guten Abschluss darf man dann kostenlos mit der Gondelbahn hinab nach Mürren fahren, wo im Sportzentrum die Pastaparty ist (Nach dem Lauf!). Anschließend geht es ebenfalls kostenlos hinab nach Lauterbrunnen.

Fazit

Hervorragend organisierter Lauf. Landschaftlich sehr reizvoll.

  • Tipp 1: vorher ausprobieren, ab welcher Steigung Ihr am effektivsten von Laufen zu Gehen wechselt.
  • Tipp 2: Trail-Running-Schuhe.

Übrigens kostet eine normale Berg-und Talfahrkarte auf das Schilthorn 89 Franken, der Halbmarathon aber nur 50 Franken. Hier spart man beim Laufen sogar Geld.

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