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laufspass.com - 24 Stundenlauf in Basel vom 03.05. - 04.05.2008 - Kreiseln in St. Jakob - Laufbericht von Silke Stutzke

Autor:  Silke Stutzke
Fotos: Mattin Becker - Weitere Fotos

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24 Stundenlauf in Basel 2008

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Kreiseln in St. Jakob - 24h von Basel, ein Erlebnisbericht

Am Freitag begann die Reise für mich. Nein, halt. Eigentlich schon am Mittwoch. Da kaufte ich nämlich einen Koffer mit Rollen dran. In rot. Groß, viel Platz. Am Freitag Vormittag war Packen angesagt. Und ich wollte auf alles vorbereitet sein. Ich wollte nach Basel fahren, um einen guten 24h-Lauf zu absolvieren. Nicht irgendwie trainieren für irgendwas, da hätte es Hoyerswerda bleiben können, mit der nicht amtlich vermessenen Strecke. Ich wollte gut sein. Ich wusste aber, bei einem 24h-Lauf weiß man noch viel weniger als beim Marathon, was am Ende hinten raus kommt. 185 km standen auf meinem Wunschzettel, genauso gut aber halt ein wenig mehr Kilometer als 175, wie in Bernau. Nein, alles andere lag noch in weiter Ferne. Ich habe die 200 km eigentlich noch nicht für dieses Jahr in meinen Kopf gelassen. Ich bin der Meinung, entweder jemand ist absolut geboren dazu (und das bin ich nicht) oder es braucht einiges an Erfahrung (was wohl richtig ist, denn Conny Bullig konnte mit ihren körperlichen Problemen, von denen auch sie nicht verschont blieb, viel besser umgehen als ich.) Das klingt so wenig, es fehlten nur etwa 1500 m bis zur alten Bestzeit, aber in dem Moment ist es unendlich viel. Jetzt bin ich doch abgeschweift.

Also Freitag: tagsüber gepackt. leichte Kleidung, warme Kleidung, Mütze, Handschuhe, 2 Paar Laufschuhe, Tomatensaft, Cola, andere eigene Getränke. Der Koffer war praktisch und voll. Am Nachmittag zum Opa nach Berlin, hier stand noch ein Besuch an und so wurde ich von Jörg und Jacob auch gleich zum Bahnhof gebracht. Bei der Gelegenheit mit Jacob noch eine kleine Führung durch den Hauptbahnhof, den er so noch nicht gesehen hatte, zusammen essen und dann schickte ich sie weg und wartete bis mein Zug kurz vor halb 10 eintrudelte. Am Bahnsteig standen mehrere Gruppen junger Menschen. Und ich dachte nur, hoffentlich haben sie ihre Plätze weit weg von mir, ich muss doch schlafen. Der Zug kam und ich hatte Glück. Das Sitzwagenabteil war nicht so voll. Der Platz neben mir sogar leer. Aber irre eng ist es ja trotzdem. Jetzt weiß ich, warum Nachtzug billiger ist als ICE. Kein Vergleich. Ich hätte vielleicht doch wenigstens die 10 Euro mehr investieren sollen und Liegewagen nehmen sollen. Naja, nun war's zu spät. Ich fiel immer wieder in einen leichten Schlaf, alles war unbequem und ich war natürlich nicht wirklich ausgeruht, als ich dann gegen halb 8 in Basel eintraf. Am Bahnhof war es ganz leer, ein Bäcker hatte schon auf, ich holte mir ein kleines Frühstück und bekam so als Wechselgeld auch Schweizer Geld für den Bus. Der gleich darauf kam, alles wunderbar mit Ansage. Ich habe das Stadion sofort gefunden. Das fand ich erstmal sehr erfreulich alles. Und der Rollkoffer erwies sich als ausgesprochen sinnvolle Anschaffung.

Im Stadion traf ich gleich erste bekannte Gesichter, es gab Kaffee und noch mehr Frühstück. Dann suchte ich mir ein Plätzchen in einem Pavillon, hievte den Koffer auf einen Tisch und breitete mich in aller Ruhe aus. Zog mich um, fand die Sonne noch schön und freute mich des Lebens. Ich hatte mir eigentlich überlegt, ich könnte mich noch etwas hinlegen aber ich war zu aufgeregt. Ich nahm meinen MP3-Player, versuchte das Radio und war erfreut, wie gut man Radio-Empfang hatte. Radio hören finde ich beim Laufen noch besser als nur Musik. Sehr abwechslungsreich. Ich verstand bei den Schweizer Sendern aber nur wenig, von dem was gesprochen wurde. Muss doch ne Fremdsprache sein.

Viele hatten ihre Zelte aufgebaut, die schöne Stimmung an der Strecke eines 24ers entstand. Aber der öffentliche Pavillon bot mir genug Komfort. Ich hatte auch eine kleine Decke und ein Kissen dabei. Mattin, der eigentlich Heike betreute, bot mir an, ich könne ihm auch alle meine Wünsche miteilen. Das war ja super. Ich nahm das auch dankbar an, dachte zwar erst noch, was werd ich groß brauchen aber es war doch schön zu wissen. Die Strecke schaute ich mir nicht an, die würde ich noch lange genug sehen. Das Areal ist riesig, eine Sportanlage mit etwa 20 Fußballplätzen, Beachvolleyball und vielem mehr. So eine tolle Anlage war mir auch noch nicht untergekommen. Kurz vorm Start sprach uns noch eine junge Frau an und meinte, sie suchten Sportler für eine Studie. Wie sich Gesichter bei einer großen Anstrengung verändern. Also vorher-nachher-Bilder. Ich willigte auch ein und wir gingen noch schnell in einen Raum, Bilder machen. Bekomme ich in ein paar Wochen geschickt, na wie werden die aussehen.

24 Stundenlauf in Basel 2008

Vor dem Start

24 Stundenlauf in Basel 2008

Die Starter reihen sich auf

Die ersten 12 Stunden

Der Start war etwas langwierig. Es wurde viel geredet, ich hörte wenig zu, verstand auch kaum was. Dann ein Schweigen vorm Start. Und ich muss sagen, das habe ich als angenehm empfunden. Irgendwie entspannte das. Dann los und schon gleich auf der ersten Runde merkte ich, dass die Hitze es schwer werden lassen wird. Ich trabte wirklich wirklich ruhig vor mich hin. Trank am Anfang immer nach 3 Runden und immer Wasser. Nahm immer einen Schwamm mit. Drückte ihn auf dem Kopf aus. Nur so war es zu ertragen. Es wurden etwa 30 Grad. Der Körper war noch nicht auf so etwas vorbereitet. Zwischendrin, so auf der Hälfte der Strecke war ein Klo, hier machte ich auch meine Mütze am Wasserhahn noch ab und zu nass. Nahm mir dann auch noch ein Tuch, machte das auch nass und legte es unter die Mütze, damit der Nacken bedeckt war. Sonnencreme alle paar Runden. Auf Essen hatte ich natürlich gar keinen Bock. Und dann kam das Problem mit dem Wasser nach etwa 50 Kilometern. Mir war speiübel. Einmal hatte ich noch Apfelsaft probiert, wohl auch ein Fehler. Ich probierte Cola, die war verdünnt, wie eklig. Aber trinken musste sein. Aber mir war doch so schlecht, was sollte ich nur tun? Ich nahm eine Talcid, setzte mich einen Moment und wartete auf die Wirkung. Die trat auch ein, der Magen beruhigte sich. Ich lief wieder ein Stück, bis zur Massage. Auf dem Bord, wo die ersten 7 Plätze angezeigt wurden, da war ich zu dem Zeitpunkt recht weit vorn. Als ich aus der Massage kam, war ich ganz unten. Aber stand noch drauf. Gerade so. Ich wollte von der Tafel nicht verschwinden.
Aus irgendeinem Grund war mir das wichtig. Ich hatte mir vorher überhaupt keine Platzierung ausgemalt. Ich kannte ja viele Läuferinnen gar nicht. Aber nachdem mein Name einmal auf dieser Tafel stand, wollte ich unbedingt einen der ersten 7 Plätze belegen. Denn dann stand man drauf. So war das eben.

Das mit den Rundenzählern ist wirklich genial. Sie wechselten alle 6 Stunden und immer wenn man mal länger weg war (zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich mich vor der Massage nicht ordentlich vorher abgemeldet habe), wurde nachgefragt. Sehr aufmerksam, ich bin mir absolut sicher, dass hier keine Fehler passieren. Auf der Tafel wurden nicht die Runden, sondern die Kilometer gezeigt. Aufgrund der Rundenlänge stand da dann also ab und zu mal 58 und dann gleich 60. So als Beispiel. Ich hatte eine Weile gebraucht, bis ich kapiert hatte, dass das daran lag, dass die Runde ja 1140 m etwa lang war.
Die Runde war wirklich fast flach, es gab einen kleinen Anstieg, der eigentlich nicht nennenswert ist, der tat erst am Ende weh.
So also nach der Massage: ich hatte auch noch einen Becher Magnesium dazu bekommen und homöopathische Kügelchen gegen die Schmerzen in den Beinhebern. Vom Magnesium wurde mir gleich wieder schlecht. Aber inzwischen hatte ich die Geheimwaffe Kamillentee, das half. Meine eigenen Getränke, die brauchte ich gar nicht, waren auch eklig warm. Standen in der Sonne. Sonst hätte ich sie vielleicht schon getrunken. Aber daran hatte ich nicht gedacht. Ja, die Musik. Ich hatte drei Stunden Radio gehört. Das Problem war, dass die öffentliche Beschallung so laut war, dass sie meinen Kopfhörer übertönten. Und diese doppelte Beschallung wurde auch für mich irgendwann ein Problem. Ich legte also mein Radio ab und versuchte, die Musik zu ignorieren. Wobei ich sagen muss, die "Boy-Band", an der einen Stelle, die war noch ok. Klang irgendwie wie irische Volksmusik ab und an. Jedenfalls nicht so lahm. Aber die Mädels im Zelt, also ehrlich. Das war doch 24h lang das gleiche Lied. Also, das fand ich auch furchtbar. Aber ich ließ das nicht so an mich ran. Mir machten ja auch ganz andere Sachen zu schaffen. In der Nacht war ich noch zwei Mal zur Massage und Mattin hatte auch 2 mal massiert. Der Nacken war auch ganz schlimm verspannt. Und ich fror so erbärmlich. Ich war auf der Tafel wieder weiter hoch gerutscht und damit zufrieden.

24 Stundenlauf in Basel 2008

Rechts die Autorin

Die zweite Hälfte

Nach der Hälfte der Zeit, also nach 12 Stunden hatte ich genau die Hälfte meines Laufpensums. Theoretisch. Also etwa 92 Kilometer. Aber ich merkte, dass ich unglaublich müde war. Und ich musste mich eben zwei mal kurz hinlegen, es ging einfach nicht anders. Um viertel 4 hatte ich sogar überlegt, bis 4 Uhr liegen zu bleiben, es wär doch noch genug Zeit, um einige Kilometer zu machen. Aber ich hatte zuviel innere Unruhe, um mich zu entspannen, das brachte dann auch nichts. Mattin wollte mich nach 15 Minuten wieder rausschicken aber ich ging schon allein, hoffentlich wird er mich nicht suchen.

Als es endlich hell wurde, also richtig hell, so gegen 8 Uhr, da wurde es etwas besser. Ich hatte inzwischen auch mal Kartoffeln gegessen mit Salz und in der Nacht auch heiße Brühe getrunken. Dem Magen ging es viel besser. Dafür war der Kreislauf völlig durcheinander. Muss wohl an dem extremen Temperaturwechsel gelegen haben. Mir taten aber beim Laufen so die Muskeln weh und beim Gehen ging der Kreislauf runter. Was nur tun. Mir fielen buchstäblich im Gehen die Augen zu und ich fing leicht an zu wanken, bekam dies aber noch selbst mit. So gegen 10, da lief ich auf Simone auf, die ging gerade und ich blieb bei ihr. Meine Kilometererwartungen waren inzwischen völlig nebensächlich. Ich lag auf Platz 3, Simone auf 4. Ich wollte gern, dass es beim 3. Platz blieb. Wenn ich bei Simone blieb, dann konnte nichts schiefgehen. Sie wollte unbedingt 100 Meilen schaffen. War auch machbar. Man bekam immer bei bestimmten Abschnitten eine Fahne mit auf die Runde, bei 100 km, bei 150 km und bei 100 Meilen (ja auch bei 200 km gibt es eine). Also ich hatte nun meine 100 Meilen Fahne und wusste, jetzt hast Du alle erreichbaren Fahnen für heute gehabt, nun ist's gut. Die Rundenzähler empfingen jeden nach jeder Runde als hätte man gerade Großes geleistet. Immer wieder.

Irgendwann sagte Simone, so, wenn Du wenigstens 170 schaffen willst, dann versuch mal zu traben. Machte ich und ging dann auch. So wurden es eben die besagten 173,635. Und mit denen war ich hochzufrieden. Conny Bullig konnte bis zum Ende immer wieder lostraben. Wie gesagt, sie hatte genug Erfahrung, sie kann das einfach. Irgendwann habe ich die auch, und dann kann ich das auch. Also, ich würde immer wieder zu Sri Chinmoy-Veranstaltungen gehen. Bei mir war es wirklich nur die Musik die nervte, alles andere fand ich perfekt. Wenn es auf der Welt ein paar mehr von solchen liebevollen Menschen gäbe, dann wäre uns wohl durchaus auch geholfen, glaube ich. Auch wenn ich für mich selbst ein solches Leben ausschließen würde, ich finde es dennoch faszinierend.

Gut, wenn ihr bis hier gekommen seid. Die Rückreise war noch unangenehmer als die Hinreise. Ich hatte Mühe bis 21 Uhr auf dem Basler Bahnhof wach zu bleiben und nicht als Penner von der Bahnhofsbank vertrieben zu werden. Der Zug dann war brechend voll und wovon dann der Muskelkater war, ist auch egal. Irgendwie kam ich nach Hause.
Und heute geht es mir schon viel besser. Ich habe bis 11 Uhr im Bett gelegen und denke schon wieder dran, dass ich wohl am Donnerstag wieder einen Lauf wage. ;-))

Silke

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