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Mont Blanc Massiv vom Refuge Bertone

laufspass.comUltra Trail Tour du Mont-Blanc

Bildbericht von Norbert Rößler

88 Kilometer sind auch ein Ultra

Teil 4

E-Mail: norbertroessler@gmx.de

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Inhaltsverzeichnis

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Inhalt

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Infos Links Tipps für Interessenten

So sitze ich trübsinnig in der Nachmittagssonne, löffle ein warmes Süppchen von der Verpflegungsstelle, trinke Cola und habe ausnahmsweise wenig Sinn für die tollen Ausblicke, die sich von diesem „Adlerhorst“ fast senkrecht über Courmayeur bieten. Was nun ? Zurück nach Courmayeur ? Mein Streckenkärtchen, das ich am Schlüsselband um den Hals trage, um immer einen schnellen Überblick zu haben zeigt einen weiteren „offiziellen“ Ausstiegspunkt bei Km 88. Also 13 Km. Könnte trotz meiner „atemberaubenden“ Geschwindigkeit in gut 3 Stunden zu schaffen sein. Es ist 15 Uhr. Die Sonne scheint. Also gehe ich 3 Stunden wandern.

Es fällt trotzdem schwer. Die andern Läufer, die mich überholen, kämpfen noch. Rennen eifrig oberhalb des Val Ferret entlang. Und ich gehöre irgendwie nicht mehr dazu. Ich mache bereitwillig Platz zum überholen, feure meine Mitstreiter an, photographiere viel und mache ab und zu ganz zaghafte Joggingversuche. Denn jetzt könnte man wirklich prima laufen. Ganz sanftes Gefälle, kaum Steine, Wurzeln oder Geröll.

Mont Blanc Massiv vom Refuge Bertone

Über dem Val Ferret

Über dem Val Ferret

Über dem Val Ferret

Über dem Val Ferret

Im Val Ferret

Wahrscheinlich gab es die ganze Strecke noch kaum ein Stück, das besser zu laufen war als dieses. Hier kann man wirklich auch gegenüber der Sollzeit wieder etwas gut machen, was mir im übrigen selbst mit gemäßigtem Wandern gelingt. Aber jegliche Trabversuche verweigert mein Oberschenkel kategorisch. Vor der nächsten VS geht es dann zur Abwechslung mal wieder steil und wurzelig bergab zur Straße im Val Ferret. Dort bietet sich wieder das unnachahmliche Angebot verschiedener Käsesorten, fetter Salami und Baguette. Eindeutig französisch, aber für meinen Läufermagen doch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber ich bin ja kein Läufer mehr, sondern nur noch Wanderer. Während ich seither meine geliebten Bananen sehr vermisst habe und meine Energie vor allem aus Cola und Riegeln bezogen habe, lege ich jetzt eine zünftige Vesperpause ein. Sehr lecker. Das Wandern hat auch seine positiven Seiten. Die nächsten 3 Km läuft die Strecke weitgehend flach auf der Straße durchs Val Ferret. Landschaftlich nicht ganz so reizvoll, aber erneut ein Stück auf dem man es wieder rollen lassen kann (könnte). Die Straße führt in einen Talkessel. Der nächste große Anstieg zum Grand Col Ferret wartet. Auf mich wartet aber das Refuge Elena – mein Ausstiegspunkt. Ich sehe mehrere Hütten am Talende. Das muss es sein. Ein letzter Fall von „Denkste“. Die Alm liegt zwei Km weiter und knapp 400 m höher auf 2.000 m. Einfach fies für die Aussteiger, aber ideal für diejenigen, die weiter machen, weil so der Anstieg zum 2.537 m hohen Pass in zwei fast gleich große Stücke geteilt wird. Die Sonne verschwindet jetzt hinter den Bergen. Ein herrlicher Tag neigt sich dem Ende zu und für mich auch der Lauf. Noch eine sehr schwierige Querung einer Schlucht, noch eine letzte Steilstufe, ein letzter Blick auf die Gletscher und dann wartet der Besenwagen

Mein letzter Anstieg

Ein langer Tag geht zu Ende

Noch ein letzter Gletscherblick am Refuge Elena

Dann lockt der Besenwagen

Der Rücktransport nach Courmayeur und von dort mit dem großen Sammelbus durch den Mont-Blanc-Tunnel nach Chamonix klappt einwandfrei. Am nächsten Vormittag stehe ich natürlich im Zieleinlauf um den Finishern meinen Respekt zu erweisen (von 1.600 Startern finishen 420; davon 150 in den letzten 4 Stunden). Ca. 3 Stunden vor Zielschluss treffen die ersten Läufer ein, die in meiner Region waren, als ich aufgehört habe. Natürlich kommen die Fragen: Wäre es doch gegangen? Zwei Drittel der Steigung hatte ich doch schon. Den letzten ganz hohen Berg hätte ich in gut einer Stunde hinter mir gehabt. Dann kommen nur noch zwei Zweitausender und ....

Zwei Wochen später, mit mehr Abstand, bin ich mit mir im Reinen. Der Oberschenkelmuskel ist hartnäckig immer noch entzündet. Laufen soll schon anstrengen, aber kaputt machen muss man sich nicht. Es war richtig aufzuhören.

Ein Wort zum Schluss:

In vielen Passagen klingt mein Bericht vielleicht nicht ganz freudig. Es ist ein sehr schwerer Lauf. Trotzdem ganz unbestritten ein faszinierendes Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Die Eindrücke und Bilder des Laufs wiegen jede Anstrengung auf. Er hat sicher das Zeug zum Klassiker, auch wenn sich wahrscheinlich eher die Strecke bis Courmayeur zum Hauptlauf entwickeln wird. Das Preis-Leistungsverhältnis ist nach wie vor überragend. Perfekte Streckenkennzeichnung, gute Infrastruktur, T-Shirt, (unterschiedliche) Präsente für Finisher und arrivants, Spaghettiessen vor dem Lauf und ein grandioses Buffet im Hotel Majestic am Abend danach – macht alles zusammen 70 € bei rechtzeitiger Anmeldung.

Luxusbuffet zur Krönung eines Luxuslaufs

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Hoffen wir, dass uns die große Runde langfristig erhalten bleibt. Ich möchte nämlich unbedingt nächstes Jahr nicht mehr nur zu den „arrivants“ gehören. Ich glaube nach den diesjährigen Erfahrungen, dass ich jetzt weiß, wie es gehen könnte (Gewissheit, dass ich durchkomme, werde ich bei diesem Lauf nie haben).

Infos

Strecke

Die Strecke des Internationalen Ultra-Trails um den Mont-Blanc folgt zum Großteil dem Weitwanderweg um den Mont-Blanc ( GR TMB ).
Die einzige Ausnahme betrifft das Tal von Chamonix. Hier verläuft die Strecke auf den ersten 7 km (Chamonix- Les Houches) und den letzten 5 km (Weiler Chamonix) , während der GR TMB in den Aiguilles Rouges und am Brevent bis 2525m hinaufführt.
Die gesamte Strecke stellt, von Chamonix ausgehend, eine Schleife von ungefähr 155 km bei einem Höhenunterschied von 8500m dar.

Die Strecke

Links

Tipps für Interessenten

Anbei ein paar individuelle Tipps von Norbert für eventuelle Interessenten dieses Laufes:

  • Realistisches Ziel setzen: Als Normalläufer sollte man sich als Ziel dieses Laufes setzen, dass man möglichst weit durchkommt und nicht das Endziel von 155 km in einer möglichst guten Zeit zu schaffen.
  • Die Marathonbestzeit sollte schon mindestens bei 3:45 besser bei 3:30 liegen, damit man eine Chance hat das ganze Stück in der recht knappen Zielschlusszeit von 44 Stunden zu schaffen
  • Man sollte schon zuvor Bergultras wie z.B. mindestens den K78 (78,5 km 2320 HM) oder besser den Traunsee Marathon (72 km 4000 HM) erfolgreich durchgelaufen sein. (Norberts Bestzeit für den K78 liegt bei 8:45!)
  • Wenn ich unterwegs Betreuer hätte, würde ich mir die zwei Laufstecken ab Km 30 (Kirche) geben lassen; sonst aber von Anfang an. Courmayeur war bei mir zu spät.
  • Mit den Stecken würde ich ein bis zwei Liter Cola mit auf den zweiten Pass nehmen.
  • Ersatzsocken mitnehmen (2 Paar) um nach Nässe oder Schlamm ggf. Füße zu reinigen und auf neue Socken zu wechseln. Reduziert die Blasengefahr.
  • In der Vorbereitung eher mal 3-4 Tage hintereinander anstrengende Wanderungen machen (mindestens je 1.000 HM bergauf und -ab), als Bergmarathons wo es nur bergauf geht. Die sind erstens zu kurz, trainieren das bergablaufen nicht und bergauf rennt man beim TMB selten.
  • Und dann wie von erwähnt: kein Zeitziel ! Du solltest nicht erst fünf Minuten vor Ablauf der Sollzeit in Courmayeur eintreffen, aber ich habe von Läufern gehört, die auch das gemacht haben. Sie haben dann sofort wieder "ausgecheckt", sind also offiziell wieder auf die Strecke und sind dann erst zum Duschen und essen gegangen. Bis zum nächsten Checkpunkt hat man für 18 Km 6,5 Stunden und ab Km 75 eher leichtes Gelände. Man darf nur nicht in Courmayeur kaputt sein.

Im Forum beim TMB tobt übrigens gerade die Diskussion mit dem (wenn ich es richtig verstehe) relativ einheitlichen Wunsch die Sollzeit von 44 Stunden beizubehalten aber die Startzeit auf 12 Uhr vorzuverlegen. Das wäre sicher toll, weil man dann anfangs solange es noch gut geht mehr rennen kann und auch den technisch schwierigen zweiten Berg bei Tageslicht hätte. Den Marathon würde ich so sicher noch bei Tageslicht schaffen Die folgenden 45 Km sind sehr offen und technisch nicht so schwer. Das wäre bei Nacht gut zu machen. Dann hätte man noch einmal einen kompletten Tag und mit etwas Glück müsste man dann Chamonix schon "riechen" können. :-) Wir werden sehen.

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