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Chiemgau 100 er

Abendstimmung am Hochfelln beim Chiemgau 100 KM - Lauf

laufspass.com -  16.7.2005 Chiemgauer 100 KM - Lauf

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Teil 4

Bericht von Norbert Rößler
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Nur noch gut 5 Km zum Ziel, wenn man die 80er-Variante wählt. Aber es ist ja erst Viertel vor Sieben, also mehr als eine Stunde Luft aufs Zeitlimit (20 Uhr) und so darf ich an der VS in Egg (Km 74,7) weiter zum letzten großen Anstieg auf den Hochfelln.

Letzte Stärkung

Ich darf weiter

Verpflegung in Egg

13 Stunden lang habe ich mich jetzt angestrengt. Als Belohnung darf ich mich nochmal 5-6 Stunden quälen. Und ich freue mich darüber wie ein Schneekönig. Vor 5 Stunden hatte ich nicht mehr damit gerechnet. Der Sieger ist übrigens bereits im Ziel.

Der Zweitplatzierte Harald Menzel

Beim Plaudern mit Sieger Sigi Unterweger

Aber die Hälfte der Läufer ist hinter mir oder hat bereits die 54-er Abkürzung gewählt.

Der erste Teil des Anstiegs verläuft sehr steil, bis man nach ca. 2 Km den Bergrücken erreicht. Man wechselt auf die linke Bergseite hinüber und verliert damit die Chance auf die erwartete schöne Aussicht mit Sonnenuntergang. Am Bergrücken entlang geht es oberhalb von steilen Abstürzen gemäßigt bergauf. Ich bin wegen der Abstürze wieder etwas unsicher, aber da ich eh nur noch gehe, verliere ich nicht allzu viel Zeit. Als ich so langsam den Gipfel herbeisehne, passieren wir einen Wanderwegweiser ( zum Hochfellngipfel 1 Std.) und kurz darauf erreichen wir einen weiten Kessel und sehen ganz oben die Hochfellnhütte

Hochfelln in Sicht

Weiter noch als erhofft, aber jetzt ist das Ziel wenigstens in Sicht. Der Weg verläuft am linken Rand des Kessels, wird steiler und teilweise auch wieder alpin. Die hohen Stufen wären normalerweise kein wirkliches Problem. Aber die hohen Tritte strapazieren die Muskulatur bis an die Grenze des für mich Machbaren. Die Gefahr abzurutschen und dann mit Krämpfen evtl. unkontrolliert zu reagieren ist nach 14 Stunden harter Arbeit groß und so krieche ich manche der Stufen sicherheitshalber auf allen vieren hoch. Gott sei Dank ist niemand in der Nähe, der mich beobachten könnte. Sehr souverän sieht das jetzt nicht aus. Aber ich bin immer noch ganz gut drauf und ab dem oben erwähnten Wegweiser brauche ich 44 Minuten bis zum Gipfel.

Idyllischer Anstieg

Gleich oben

Mit den Wanderern könnte ich also noch gut mithalten.

Der Helfer an der Kontrollstelle auf dem Gipfel versorgt mich mit Wasser und der Information, dass hinter mir nur noch ein weiterer Läufer zum Gipfelsturm durchgelassen wurde. Das ist sicher sehr vernünftig, denn das offizielle Limit wäre viel zu knapp, um noch vor Einbruch der Dunkelheit den Gipfel zu erreichen und noch haben wir ja drei sehr schwere Abstiegskilometer vor uns. Um diese richtig schwierig zu machen, ereilt uns mal wieder ein kurzes Gewitter. Ich kann den Regen in der Berghütte aussitzen und dabei immerhin den schönen Blick hinunter auf den Chiemsee genießen.

Abendstimmung mit Gewitter

Es wird Nacht

Der Nachtlauf

Das war´s aber dann mit Genuss. Es pfeift jetzt ein kalter Wind hier oben auf 1.700 m , die Dunkelheit bricht herein und die steilen Wege sind schmierig und rutschig. So stürze ich mich in den Abstieg. 500 Hm geht´s auf 2,5 Km hinab. Ich sehe keine andere Möglichkeit als mich an den Latschenkiefern von Ast zu Ast zu hangeln. Vier, fünf Mal sitze ich trotzdem auf dem Hosenboden und als ich in einer steilen Felspassage am Seil hängend mal wieder abrutsche, schießen die Krämpfe in beide Waden. Dazu wieder ein kurzer Regenschauer und Blitze und Donnergrollen über den Nachbargipfeln. Ich habe Angst, ich will jetzt runter von diesem Sch...berg. Dazu ist es mittlerweile zwischen den Büschen ziemlich dunkel, so dass ich schnell die Stirnlampe anschalte. Da es noch nicht richtig dunkel ist, sorgt sie für eher diffuse Beleuchtung, so dass ich Wurzeln und Steine jetzt mehr erahne als sehe. Gott sei Dank holt mich jetzt Rainer Schulz aus Heidelberg ein. Ich bitte ihn bei mir zu bleiben und so bilden wir für die nächsten 3 Stunden das Schlusstandem. Rainer leiht mir nach kurzer Zeit einen seiner Stöcke und damit gelingen die letzten steilen Passagen doch viel besser.

So ab Km 83 bewegen wir uns dann auf breiten Forstwegen und erreichen kurz darauf die letzte Verpflegungsstelle in Eschelmoos. Der Rest ist relativ schnell erzählt. Spektakuläre Passagen folgen nicht mehr. Die meiste Zeit verbringen wir mit Laufen, zweite Priorität hat die Streckensuche in tiefer Dunkelheit und daneben unterhalten wir uns viel und gut. Bei Kilometer 93 erreichen wir die letzte Kontrollstelle in Brand gegen 23.30 Uhr und erlösen die freundlichen Helfer, die hier schon ab ca. 17 Uhr im Einsatz waren.

So 3 Km weiter ist dann entweder unsere Konzentration am Ende oder die Markierungskunst der Organisatoren hat einen besonderen Tiefpunkt erreicht. Mehrfach hatten wir in der Dunkelheit intensive Rundumuntersuchungen von Kreuzungen mit vereinter Stirnlampen-Power erfolgreich abgeschlossen. Nicht immer hatten wir wirklich eine Markierung entdeckt, uns aber dann eben für die breitere oder abwärts führende Wegvariante entschieden. Meist hatten wir kurz darauf doch wieder irgendein Flatterband entdeckt und waren zufrieden weiter gezuckelt. Nicht so bei Km 96. Wir leuchten und diskutieren an der betreffenden Kreuzung lange, aber die Markierung entdecken wir nicht und bleiben folglich weiter auf der Straße Richtung Ruhpolding. Gut 2 Km Zusatzweg handeln wir uns so ein. So kurz vor dem Ziel schon ein mentaler Tiefschlag. Auch der eigentlich geplante Endspurt verschwindet im Motivationsloch. Wunderbar dagegen dann der Zieleinlauf. Als man unsere Stirnlampen nahen sieht, wird noch einmal die Lautsprecheranlage im Stadion aufgedreht: „We are the champions“, klingt immer gut, auch wenn wir uns nicht gerade wie Champions fühlen. Außerdem stehen zahlreiche Läufer und Helfer, die sich noch nicht schlafen gelegt haben, am Ziel und applaudieren uns anerkennend. Danke für diesen Empfang. Das war ein sehr emotionales, versöhnliches Ende eines langen, schweren Lauftages um 0.40 Uhr.

The End

Fazit:

  • Sehr viel persönliches Engagement bei Organisatoren und Helfern
  • Perfektes Preis-Leistungsverhältnis
  • Schöne Landschaft, wobei ganz spektakuläres Hochgebirge die Ausnahme bildet
  • Streckenverlauf: Zwischen Km 26 und 83 schwer
  • Streckenbeschaffenheit: zwischen Km 26 und 83 häufig sehr schwer
  • Zeitlimit: 18 Std. – für Durchschnittsläufer knapp
  • Vielleicht derzeit der schwerste Ultra in Deutschland – auf jeden Fall hohe Wahrscheinlichkeit, dass man mit einigen Tagen Abstand stolz und zufrieden ist

Die Siegerehrung am nächsten Morgen habe ich nicht persönlich miterlebt. Die Siegeradler sind aber sicher genauso schwer, wie der Lauf selbst.

Carmen Hildebrand

Sigi Unterweger

Siegerehrung

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