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Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Nächtlicher Umtrunk beim Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

laufspass.com - Vollmondmarathon Winteredition am 14.1.06 in Hersbruck - Bildbericht von Thomas Schmidtkonz

Ein Lauf nicht nur für Mondsüchtige

Teil 4 - Auf Irrwegen ins Ziel

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Auf Irrwegen ins Ziel

Bis Kilometer 11 geht alles aalglatt, obwohl die Wegweisung etwas zu wünschen übrig lässt. Aber man kann sich gut an der Wegweisung der Nordic Walking Strecke von Hersbruck orientieren.
Aber wie so oft, wenn alles zu glatt geht, lässt eine unangenehme Überraschung nicht lange auf sich warten.

Ich liege für meine Leistungsklasse wirklich Klasse in der Zeit und habe  bereits Läufer überholt, die ich sonst nicht überhole. Das könnte eine neue persönliche Marathonbestzeit werden.
Gut gelaunt lass ich mir an der zweiten Verpflegungsstelle einen Becher Wasser reichen. Super, sogar mit Eiswürfeln drin. Da wurde an die überhitzten Läufer gedacht. Au nein, das Wasser ist durch die Kälte fast zum Eisklumpen gefroren. Dann doch lieber einen heißen Tee nehmen. Ich wechsle noch mit Martin Linek ein paar Worte, da er als Veranstaltungschef hier gerade nachschaut, ob alles in geordneten Bahnen verläuft und sich auch keiner verläuft.

200 Meter dahinter gabelt sich der Weg. Die roten Schilder der Nordic Walkingstrecke weisen nach links.
Vor mir und hinter mir kein Läufer, den ich nach seiner Meinung fragen könnte. Ich will doch nicht vom rechten Weg abkommen! Trotz alledem, rechts kann nicht sein, das rote Schild weist nach links. Ich will Bestzeit laufen, da muss man Mut zum Risiko haben und kann nicht die Zeit vergeuden und noch mal 200 Meter zurücklaufen, um dann ausgelacht zu werden, wenn man nach den Weg fragt.

Also links!

Kurz dahinter muss ich eine Straße überqueren und werde fast von einem Auto überfahren, das von einer nicht einsichtbar Kurve von links heran geschossen kommt. Diese Stelle hätte man aber absichern müssen!  Wieder eine Weggabelung. Das rote Schild weist wieder nach links. Ich überlege, wir haben über 11 km hinter uns, also müssen wir wieder Richtung Hersbruck laufen. Da muss der linke Weg Richtung Hersbruck stimmen. Wie zur Bestätigung meiner Vermutung sehe ich ganz weit vorne vor mir ein paar laufende Gestalten. Ich muss also richtig sein!

Die Kilometermarke 12 ist nun schon seit zwei Minuten überfällig. Ich muss sie übersehen haben. Aber die Kilometermarkierungen waren doch bislang so gut sichtbar! Es kommen wieder erste Zweifel auf. Vor mir laufen aber die drei Läufer unbeeindruckt weiter. Dann muss ja alles in Ordnung sein!

Kilometer 13 ist nun auch schon seit zwei Minuten überfällig. Oh je, ich glaub wird sind alle die falsche Richtung gelaufen. Außerdem müssten schon die ersten schnellen Läufer uns entgegen kommen, wenn wir wie beschrieben eine Wendestrecke laufen. Von einer Schlaufe in der Strecke war nicht die Rede. Was nun machen? Nein, umkehren will ich jetzt auch nicht mehr. Ich lege eine Sprint zu den anderen dreien ein und muss feststellen, dass die drei eingeholten Laufkameraden genauso ratlos sind wie ich.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Ein Häufchen verirrter Läufer beim Vollmondmarathon

Wir beschließen nun einfach die Nordic Walking Strecke weiterzulaufen. Irgendwie werden wir schon nach Hersbruck kommen. Ich frage eine Spaziergängerin, ob der Weg wirklich nach Hersbruck geht. Zu meiner Freude kann sie die Frage bejahen.
Bei einer Eisenbahnbrücke am Hersbrucker Bahnhof holen wir Werner Sonntag ein. Ich frage ihn erst einmal gar nicht auf welcher Odyssee er hier hingekommen ist, da wir zu diesem Zeitpunkt alle etwas verärgert sind.

Nach einer Laufzeit von 1 Stunde und 17 Minuten erreichen wir alle die Halbmarathonmarke. Natürlich ernten wir erstaunte Blicke und Fragen: "Was macht denn ihr schon hier?"
"Wir haben halt in letzter Zeit etwas mehr trainiert als sonst!", hätte ich am liebsten geantwortet.
Aber ich gestehe, dass wir uns alle hinter der zweiten Verpflegungsstelle verlaufen haben.
Mathias hat aber zum Glück einen Entfernungsmesser dabei. So beschließen wir einfach eine zusätzliche Wendestrecke zu laufen, damit das mit der Marathondistanz so in etwa hinhaut. Eine persönliche Bestzeit will ich aber nun nicht mehr laufen, weil ich die dann als korrekter Läufer nicht als solche zählen könnte. Also nehme ich Tempo raus. Einer der Verirrten namens Gerald sieht das auch so. Wir beschließen nun die restlichen 26 Kilometer zusammenzubleiben, da so was mit gegenseitiger Unterhaltung mehr Spaß macht, als nach dieser herben Enttäuschung 26 Kilometer griesgrämig durch die Eisnacht zu laufen.

Allmählich finden wir Spaß daran die verdutzten Gesichter der Fotografen, Zuschauer und entgegenkommenden führenden Läufer zu ernten, die sich darüber wundern wie solche "Laufschnecken" plötzlich so weit vorne sein können.

Nach unserer Strafschleife, um wieder auf die Marathondistanz zu kommen, hat dieser Spaß zwar sein Ende, aber dann sind wir beide in so interessante Laufgespräche vertieft, dass uns das alles mittlerweile egal ist. Nun können wir uns auch an jeder Trinkstelle viel Zeit lassen und reichlich Verpflegung fassen und mit den halb erfrorenen Helfern aufmunternde Worte wechseln.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Nächtlicher Vollmondtrunk beim Vollmondmarathon. Rechts von mir mein Laufkamerad Gerald Schuman.
Wo ist nur der Vollmond?

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Ein fleißiger Helfer bei eisigen Temperaturen

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Noch ein kräftiger Schluck heißer Tee und schon geht's weiter ...

Da wir langsam laufen, holen uns nun viele Läufer ein. Denen können wir dann auch immer wieder unser bisheriges Laufabenteuer schildern. Kurzum, seit unserem Irrlauf ist Genusslauf pur angesagt und für einen solchen ist Dank der reichlichen Verpflegung und der interessanten nächtlichen Laufstimmung genügend Gelegenheit vorhanden.

Jenseits der 30 Kilometermarke bin ich den Veranstaltern sogar dafür dankbar, dass ich nun nicht mehr aufs Lauftempo drücken muss.


Bei der nächtlichen Runde fällt dann übrigens die Orientierung deutlich besser aus, da man sich nun an den ausgelegten Leuchtstäbchen orientieren kann. Dennoch laufen wir noch ab und zu ungewollt einen kleinen Umweg bis wir die Leuchtstäbchen missen. Das hat aber dann den Vorteil, dass wir so sicher auf unsere Marathondistanz gekommen sind und getrost diesen Marathon in unserer persönlichen Laufstatistik mitzählen dürfen.

Bei Kilometer 37 holen zwei Bekannte von Gerald uns ein. So laufen wir nun zu viert. Da einer von ihnen meint seinen Autoschlüssel an einer bestimmten Stelle vor uns verloren zu haben, laufen Bernd und Gerald voraus, während ich nun mit Andrea eine neue Gesprächspartnerin habe.

Ins Gespräch vertieft stolpere ich trotz Lauflampe, die ich vor kurzen erst angemacht habe über irgendwas hartes. Ich weiß weder ob es ein Stein oder gefrorener Maulwurfshügel war. Aber ich stürze immer weiter nach vorne, während ich noch hoffe mich irgendwie wieder fangen zu können. Das geht wohl über eine Strecke von 5 - 10 Meter bis ich endlich im Dreck lande. Wenn das jemand auf Film gebannt hätte, wäre es sicher ein Lachschlager geworden. Aber so ist Andrea die einzige Zeugin des Vorfalls. Sie fragt mich besorgt, ob bei mir noch alles heil sei. Nach eingehender Überprüfung aller Knochen und Sehnen kann ich die Frage bejahen und weitgehend problemlos weiterlaufen. Nur der Schreck steckt mir in den Gott Lob noch intakten Gliedern.

Bei der Feld- und Wiesenpassage  parieren wir dann auch vom Lauftrab in den Schritt, während ich mich über all meine Stürze im Reitsport auslasse, die ich schon hinter mir habe. Besonders blutrünstig male ich Andrea meinen Sturz in einen Oxer aus, der mir mal bei einer Springstunde widerfuhr, als das Pferd den Sprung verweigerte, ich wegen der Fliehkräfte hoch über das liebe Ross hinaus katapultiert wurde, mein Brustkorb feststellen musste wie solide hartes Holz sein kann und ich mir dadurch meine Rippen tierisch prellte und diese wie durch ein Wunder heil blieben.
Dennoch bin ich nun der Meinung: Da soll nochmals einer sagen Reiten sei gefährlich und das Laufen nicht!

Es ist nun nicht mehr weit bis zum Ziel. Da die letzten 26 Kilometer recht gemächlich waren, bleibt noch die Kraft für einen kleinen Aufgalopp bis zur Ziellinie, die ich vor Freude wiehernd zusammen mit Andrea überquere.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Noch vom Schrecken über meinen Sturz gezeichnet im Ziel

Wegen so mancher abenteuerlichen Einlage kam zumindest bei mir keine Langweile auf. Ich hoffe beim geneigten Leser dieses Berichtes auch nicht.

Im Ziel gibt es heiße Getränke und leckeren Kuchen. Den Apfelkuchen hat der "Chef" sogar selbst gebacken, wie mir versichert wird. Bei welchen Marathon gibt es denn so was noch?

Da es aber nun doch recht kalt wird, flüchte ich in die Frankenalbtherme, in die wir kostenlos rein dürfen. Das Sprudelbad und weitere Finessen tun den geschundenen Marathongliedern richtig gut.

Nach dieser Wellnesskur komme ich gerade noch rechtzeitig zu Siegerehrung, die leider wegen fehlender Räumlichkeiten in der Kälte draußen stattfinden muss.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Sarah von Radio Nürnberg interviewt den Sieger Rene Strosny

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Die Siegerin Maria Bak lief 3 Stunden und 14 Minuten dem unsichtbaren Vollmond entgegen

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Das ist doch auch den Helfern vom Getränkestand einen Applaus wert

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Martin interviewt Elke Czermin, die bei den Damen Zweite wurde

Trotz der einen oder anderen Kinderkrankheit, die sich bei der Folgeveranstaltung ohne weiteres ausmerzen lässt, endet überselig diese Marathonnacht ...

Epilog

Dem aufgehenden Vollmonde von Johann Wolfgang von Goethe (Teil 3)

...
So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.

<== Teil 3 Teil 1 ==>

 

 

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