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Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen am 21.08.2011 - Ein Hitzelauf in den Allgäuer Bergen - Bericht von Thomas Schmidtkonz

Über 70 km und 3150 Höhenmeter bergauf und bergab

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Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Mensch und Tier kämpfen bei der heutigen Hitze um jeden Tropfen Wasser  beim Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel

Der Wüstenlauf in den Allgäuer Bergen

Gut 70 Kilometer Panoramatrail mit etwa 3150 Höhenmetern rund um die Allgäuer Bergwelt zwischen Sonthofen und Kleinwalsertal, :-) das war 2009 schon so schön, dass ich nun wieder einmal dabei sein musste. Auch diesmal war das Wetter wieder herrlich, eigentlich schon zu schön.

Nach einer subtropischen Nacht ist es schon um 6:00 morgens erstaunlich warm, als bei Dämmerlicht der Startschuss fällt. Wie mag das erst heute Mittag oder Nachmittag sein? Der Wetterbericht hat eine wahre Hitzewelle angekündigt!

Schnell verlassen wir das Siedlungsgebiet von Sonthofen und laufen auf flachem Kurs die Iller entlang. Ich gebe etwas Gas, da ich die noch halbwegs kühle Luft über eine möglichst lange Strecke hinweg nutzen möchte. Trotzdem bin ich schon bald einer der Letzten im Läuferfeld.
Manche starten ja hier wie bei einem flachen 5-Kilometerlauf! Wenn sie das nicht noch später büßen müssen!

Bereits nach etwa 3 Kilometern Laufstrecke verlassen wir die Iller und das Flachland. Ab nun wird es mal vom allerletzten Kilometer und einem Streckenabschnitt vor Oberstdorf  abgesehen fast nur noch bergauf oder bergab gehen.

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Sonnenaufgang! Es wird ein heißer Tag!

Als wir die ersten Höhen erreichen, geht strahlend die Sonne auf und taucht die Szenerie in ein güldenes Licht. Gebirgskulisse und Panorama sind dabei einfach berauschend.

Bereits eine Laufstunde später ist es schon so warm, dass es mich schon vor der sicher noch gnadenloseren Mittagssonne graut. Aber die schönen Wege und die wunderschöne Aussicht entschädigen.
Wie gut, dass es hier neben den offiziellen Trinkstellen soviele Brunnen und Viehtränken gibt, bei denen man sich kühlen kann oder auch mal die Wasserflasche wieder füllen kann.
Vor einer dieser Tränken drängen sich sogar Kuh und Mensch. Das gibt ein spaßiges Bild. So drücke ich auf den Auslöser:

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Nach etwa 16 km Laufstrecke erreichen wir in 1685 Meter Höhe die erste große Passhöhe. Wer nun glaubt die größten Anstieg geschafft zu haben, wird später noch bitter enttäuscht werden. Aber erst laufen wir nun auf einem sehr steilen Bergpfad bergab. Bald führt uns ein breiter Fahrweg noch weiter hinunter. Dahinter lauert auf einem Asphaltweg ein heftiger Gegenanstieg. Aua, der  tut weh, zumal hier die Sonnenstrahlen schon so richtig gnadenlos herunterbrennen.

;-) Von all dem wohl temperiert erreiche ich den ersten großen Verpflegungspunkt nach etwa 20 Kilometern Laufstrecke. Dort treffe ich den stark sehbehinderten und allseits beliebten und bekannten Ultraläufer Didi, der wie immer mit Guide läuft. Auch Didi ist schon von der Hitze gezeichnet und sein Begleiter kaum minder. Das kann ja noch heiter werden, da ja noch 50 Kilometer vor uns liegen. Wir trennen uns mit den besten Wünschen und lassen auch bald den Riedbergpass hinter uns.

Dahinter folgt eine Bergkette an dessen Nordhang wir einen Bergpfad entlanglaufen. Hier herrscht Schatten und Kühle. Kann das nicht so bleiben? Nein, natürlich nicht. Denn der Ultraläufer ist zum Leiden geboren! Laufe und leide!
Aber die erhabenen Berge um mich strahlen so eine Kraft aus und die Kraft des Genussläufers tut das übrige. So  verdrängt Laufspaß des Läufers Leid!

Vor Rohrmoos laufen wir einen steilen Wiesenpfad bergab. Vor zwei Jahren war es hier matschig und rutschig. Mancher rutschte damals mit seinem Hintern gen Tal. Heute bei der trockenen Bruthitze verbleiben wir da dagegen auf Schusters Rappen.
Mehr Probleme bereitet mir die Ausweichstrecke um den Hörnlepass auf asphaltierten und geschotterten Fahrwegen in der heißen Sonne. Axel Reusch musste die Strecke aus Naturschutzgründen kurzfristig vom Hochmoor am Hörnlepass verlegen. So bekommen wir nun statt Matsch mehr Sonne und Asphalt ab.

Kurz dahinter, nach gut 35 Kilometern Laufstrecke,  können wir Kleidung wechseln und selbst mitgebrachte Verpflegung ergänzen, weil wir unser Gepäck hierhin transportieren lassen konnten. Ein toller  Service des Veranstalters!
Ich wechsle mein Laufshirt und hole mir Powergels und 2 Laugenbrezeln aus dem Rucksack. Die Laugenbrezeln werden mir noch gute Dienste leisten, da sie meinen Salzverlust ausgleichen werden. Ohne Salz kann man heute nämlich gar nicht mehr seinen Flüssigkeitsverlust ausgleichen, weil der Körper ohne Salz keine Flüssigkeit mehr aufnimmt. Du trinkst sonst und bleibst dennoch durstig. Leider gibt es an den Verpflegungspunkten nicht mehr wie noch vor zwei Jahren ausreichend salzige Kost!

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Im Kleinen Walsertal

Wir laufen nun durchs Kleine Walsertal, wo ich in meiner Kindheit mal ein Jahr in Riezlern verbrachte. Da werden natürlich Erinnerungen wach, wie wir in der Schule im "Sportunterricht" die Berge hochgescheucht wurden. Das war manchmal recht anstrengend ...
Anstrengend wird nun auch der Gegenanstieg zum Söllereck hoch. Der Feuerball am Himmel verbrennt uns regelrecht. Jedenfalls sehe ich in den roten Gesichtern meiner Leidensgenossen, auch wenn wir mal keine Sätze wechseln, wie sehr auch sie unter dieser Hitze leiden. Nur die vielen Viehtränken versprechen Linderung. Kopf rein, Arme rein, Kappe rein und Laufschal rein. Alles ist nass und kühlt bis die Nässe verdampft ist.

Richtung Freibergsee laufen wir auf steilem Singletrail bergab. Hier muss man trotz Hitze auf jeden Schritt achten, weil man sonst ungewollt einen Purzelbaum schlägt. Der strahlend blaue Freibergsee liegt einladend unter mir. Wie gerne möchte ich da nun drin baden! Das kühle Nass lockt. Spring rein!
Aber der Blick auf die Uhr lässt diese süßen Träume schwinden. Ich habe einfach keine Zeit für so ein kühlendes Bad! Nach 8:15 Stunden sollte ich am Stadion in Oberstdorf ankommen, wenn ich noch diese Zwischenzielschlusszeit einhalten möchte.

Ich bleibe mit 8:02 Stunden knapp darunter. Schnell fasse ich dort Verpflegung und trinke reichlich und lauf dann schnell weiter, während hier manche eine Viertelstunde oder mehr auch mal bei einer Massage verweilen. So viel Zeit kann und will ich mir hier nicht gönnen. Wellness findet ein andermal woanders statt!

Hinter dem Stadion quälen wir uns bei brütender Hitze den steilen Berg hinauf. Diese Strecke lief ich schon gestern, als ich mit Manfred und Heidi das Nebelhorn hoch joggte. Mit 1450 Höhenmeter auf gut 10 Kilometern was das ein idealer Lauf zum Aufwärmen für heute. Aber na ja, auch ohne dem wäre es mir heute schnell warm geworden ...

Bald verlasse ich aber den Weg zum Nebelhorn hoch. Ein gewellter Höhenweg führt uns nun in Richtung Sonnenköpfle. Plötzlich endet er vor einem Stacheldrahtzaun. Erst wissen wir nicht wo es weiter gehen soll. Aber dann entdecken wir einen Lilapunkt auf einem Baumstamm. Dieser markiert eine wacklige Hilfe, mit der wir über den Zaun zu gelangen sollen. Weil das Hindernis so instabil ist und wegen dem Stacheldraht ist es gerade für uns Männer nicht ganz ungefährlich ...

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Hindernislauf

Aber wir kommen da alle heil herüber. Jedenfalls sind wir nun wieder hell wach. Das ist gut so, weil es nun wieder vermehrt bergauf geht.
Schließlich erreiche ich nach kapp 60 Kilometern den finalen Anstieg zum Sonnenköpfle. Es ist mit 1712 m Höhe der höchste Punkt der gesamten Strecke. Dort müssen auf gerade mal etwa einem Laufkilometer an die 300 Höhenmeter überwinden. Obwohl ich nun schon erledigt bin, macht mir dieser Abschnitt wieder viel Spaß, zumal es im oberen Teil auf einem Hohlweg zur Labung wie schon vor 2 Jahren Heidelbeeren gibt.
Freudig rufe ich aus: "Da sind ja wieder die Heidelbeeren! Langt zu!" und ernte dafür von meinem Mitstreitern auf diesem Weg des Leidens nur verständnislose Blicke.

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Kurz vor dem Gipfel

Oben angekommen nehme ich mir kaum Zeit um den wunderschönen Ausblick zu genießen, weil bei mir die Zielschlusszeit von 12 Stunden in Gefahr ist. Also lass ich den Gipfel und die anderen Gipfelstürmer links liegen und mache nun Tempo. Zumindest versuche ich das. Da ich mir Blasen gelaufen habe und meine linke große Zehe verdammt weh tut, bereit mir das wenig Spaß.

Kurz dahinter folgen erstmals seit langer Zeit wieder alle 1-2 Kilometer Kilometermarkierungen. Aber irgendwie stimmen die Abstände hier nicht, speziell als ich von Kilometermarkierung 64 bis 65 flott bergab laufend eine Zeit von 11:04 Minuten stoppe und für den folgenden Kilometer offiziell 10:39 brauche. So komme ich doch heute nie mehr ins Ziel!
Die ausgleichende Gerechtigkeit folgt dann mit Kilometer 69 auf 70, wo ich dann nur 3:09 Minuten unterwegs bin. Sollte ich plötzlich vom Spaziergänger zum Sprinter mutiert sein?

Wie auch immer, so sehr ich mich auch anstrenge und Tempo mache, mir kommt es vor als käme ich kaum vom Fleck. Dazu schmerzen Blasen und Zehe. Schmerzverkampft rechne ich schon mit einer Endzeit von 12:15 oder auch mehr. Werde ich dann noch meine Medaille und mein Steinmännla als Finisher erhalten? Verdammt nochmals, ich will in die Ergebnisliste kommen und die hochverdienten Ehrenpreise bekommen! Der Wille muss siegen!
Endlich kann mich ein anderer Läufer beruhigen. Er lief letztes Jahr mit und da kamen auch noch ein paar 13-Stundenläufer in die Wertung, so klärt er mich auf. Ab da weiß ich, ich schaffe das!

Hoch glücklich überquere ich schließlich nach 12:07 Berglaufspaß die Ziellinie und empfange alle Ehrenbezeichnungen wie Medaille und Steinmännchen.
Dieser Lauf war schön aber auch sehr hart. Aber so was stählt!
Nur meine blaue Zehe hätte nicht sein müssen. Die habe ich mir erstmals seit vielen Laufjahren wieder zugezogen. Ich habe sie mir beim Bergablaufen geholt, wahrscheinlich weil ich meinen Schuh nicht richtig zugeschnürt habe. Vor lauter Angst mit der Zielschlusszeit und vielleicht auch wegen der erbarmungslosen Hitze war ich da etwas zu nachlässig ...

Allgäu Panorama Ultra-Trail Sonthofen 2011

Nach gut 12 Stunden Laufspaß im Ziel

<== Film zum Lauf Karte folgt noch ==>

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